Nette Fundstücke zum Thema 3D-Druck

Nachdem ich im Januar 2006 erstmals durch die brandeins auf das Thema 3D-Druck aufmerksam wurde, mich auch erste Berichte bei Spiegel-Online sehr begeistert hatten, beschäftigten wir uns auch damals 2006/2007 im e.campus bei Arcandor mit dem Thema und mit möglichen Implikationen und Chancen für Karstadt und die Versender, wie quelle.de.

Nach dem Aus von Arcandor kehrte auch bei mir etwas Ruhe bei dem Thema ein. Durch die nun einkehrende Reife der Drucker für den Heimgebrauch und durch die Entwicklung hin zur nächsten industriellen Revolution (Maker-Gesellschaft) hat das Thema 3D-Druck bei mir wieder eine hohe Aufmerksamkeit erlangt.

Ich habe daher hier eine Sammlung von spannende Fundstücken zum 3D-Druck zusammengestellt (to be continued).

Allgemein:
Zusammenschnitt verschiedener Beispiele aus meiner bchh12-Session

Ted Talk

Chris Anderson & Bre Pettis “Maker Movement to New Industrial Revolution

ZDF-Beitrag “Druck Dir die Welt
Galileo-Beitrag

Kennenlernen für jedermann in Fab-Labs und Hackerspaces

3D-Druckverfahren

Gedrucktes:

Modelleisenbahn

Der deutsche Fabbster (ca.€1600) druckt eine farbige Vase

Ein Fahrrad, einen echt hübschen Bikini oder Schuhe

Spielsachen wie bspw. ToyStory

Handy-Handschuh

Häuser (Contour Crafting)
E-Gitarre, eine Flöte und weitere Musikinstrumente

3D-Druck in der Automobilwelt

Werkzeuge

Lebensmittel

Solarzellen

Medikamente aus dem Drucker oder Impfstoffe per eMail

Leder, Fleisch, Metall, Holz, Sand,
Knochen, Organe, Blutgefäße oder Prothesen

Was wir allerdings nicht brauchen: Waffen – Das US-Militär setzt bereits 3D-Drucker als Nachschubquelle ein.

Drucker für Endverbraucher:

Cube von Cubify – Ein wirklich sehr schicker und stylischer Plug&Play und WLAN 3D-Drucker für zu Hause (für $1.299) – Video von der CES 2012 und noch eins in Action.

Open-Source-Drucker Bukobot

Makerbot
Aus Deutschland: Fabbster für ca. €1.600 direkt bei amazon kaufen

Ebenso aus Deutschland der recht bekannte Bausatz RepRap (ca. €800).

Eine Liste der 3D-Drucker

Vorlagen:
Thingiverse

Shapeways

Cubify

Tinkercad

The Pirat Bay

WebSites und Artikel zum Thema:
Gizmodo

Heise-Online

3Druck.com

EU erkennt Wichtigkeit für Heim-3D-Druck

netzwertig.com

Re-Industrialisierung in der Wissensgesellschaft

Die westliche Welt ist in der Wissensgesellschaft angekommen, die Produktion wurde in andere Länder verlagert und es entstehen derzeit zwei Lager. Die einen wollen noch mehr Verlagerung von Produktion ins Ausland und Detutschland etc. zu einem reinen (virtuellen) Wissens-, Service- und Dienstleistungs-Land machen. Die anderen fordern eine Re-Industrialisierung in Deutschland, der EU und den USA.

Hierzu habe ich mir ein paar Gedanken gemacht.

Schauen wir einmal ein wenig zurück:
Warum wurde in den letzten Jahren die Produktion in andere Länder verlagert?

Es waren zum einen handelsrechtliche Beschränkungen (bspw. China mit Import-Kontingenten), Know-How oder Kostengründe. Oftmals haben letztere überwogen.

Die Verlagerung aus Kostengründen konnte ja nur ein temporäres Phänomen sein, wenn die Kostenminimierungs-Karawane immer weiter von Land zu Land gezogen ist. Es ist ja klar, dass in den Ländern, in denen sich Industrie ansiedelt, irgendwann die Produktionskosten steigen, die Arbeitsbedingungen, Löhne, etc. westlichen Standards angeglichen werden, etc., sodass die zusätzlichen Transportkosten, Transportzeiten etc. die immer kleiner werdenden Kosteneinsparungen nicht mehr rechtfertigen.

In den Ländern, in denen in hoher Qualität gefertigt werden kann, sind die Zeiten von Ricardos komperativen Kostenvorteilen längst vorbei.

Zudem hat man sich neue Wettbewerber auf einem hohen Qualitätsniveau herangezüchtet.
Schauen wir einmal auf China: Früher konnten sie nur “billig” und keine hohe Qualität. Heute stellen sie hochwertige Innovations-Produkte (bspw. Apple) in einer Qualität her, die man selbst gar nicht mehr erreichen könnte.

Es entsteht nun langsam in diesen Ländern nicht mehr nur das Produktions-Know-How auf hohem Niveau, sondern auch das Innovations-Know-How, Unternehmertum, etc. Und genau dadurch besteht für die westlichen Länder die Gefahr im „Armenhaus“ zu landen (gegen China kann man auf diesem hohem Niveau nur verlieren) als dadurch, an Re-Industrialisierung auf einem anderen Evolutions- und Entwicklungslevel zu denken.

Länder wie China können mittlerweile Produktion- und Innovation und wollen/müssen irgendwann nicht mehr nur Handlanger der westlichen Länder sein – brauchen uns also gar nicht mehr. Womit verdienen dann aber westliche Länder noch Geld?

Re-Industrialisierung sollte aus meiner Sicht nicht ein Rückschritt zu alten Strukturen sein, sondern Re-Industrialisierung auf einem höheren (Wissens-/Informations- plus Industriegesellschafts-) Niveau.

Meiner Meinung nach wurde das Problem immer größer, indem wir nicht mehr nur die Produktion unserer Routine-/Standard-Produkte in andere Länder ausgelagert hatten, sondern auch die Produktion unserer Zukunftsprodukte und Innovationen. Also die Produktion von Produkten, von denen unsere wirtschaftliche Entwicklung abhängt. Früher wurde erst in späteren Phasen des Produkt-Lebenszyklus (im Effizienzbereich) die Produktion in andere Länder verlagert. Je mehr die Produktion in immer früheren Produktlebenszyklus-Phasen in andere Länder ausgelagert wurde, desto mehr konnten sich die Länder auch Innovations-KnowHow und nicht mehr nur Standardisierungs-KnowHow aneignen und wir haben entsprechend das Produktions-KnowHow von Innovationsgütern verloren.

Produktion von Neuem bedeutet Neues in der Produktion, d.h. Produktionswissen wird zu einem entscheidenden Faktor bei der Herstellung von Innovationen bzw. Neuerungen, die es bislang noch nicht gab. Gerade bei Innovationen sollten wir daher über eine Re-Industrialisierung nachdenken.

Ich finde Aussagen, wie “wir sind eine reine Wissensgesellschaft” daher recht gefährlich.

Im Zuge der Konzentration auf wissensbasierte Leistungen haben wir das Wissen zur Produktion von Innovationen aus der Hand gegeben. Also das Wissen zur Herstellung von neuen Produkten, mit denen man künftig noch Geld verdienen kann und von der die wirtschaftliche Entwicklung abhängt.

Wozu braucht man künftig noch unsere westliche Wissensgesellschaft? China kann es mittlerweile fast ebenso gut – Dinge erfinden, am Markt durchsetzen und produzieren. Die Solar-Branche ist hierfür ein schönes Beispiel: Ein gigantischer Zukunftsmarkt, der noch immer gerade am Anfang der Entwicklung steht und auf Jahre noch enormes neues Wissen verlangen wird – nur wir werden damit kein Geld mehr verdienen (weil wir diese Branche zu früh aus der Hand gegeben haben bzw. geben mussten). Wissensgesellschaft hin oder her – denn dies ist passiert, obwohl Wissen noch auf Jahre in diesem Bereich verlangt werden wird. Die Abschöpfung der Innovationsrendite, die Weiterentwicklung der Technologie, selbst den Verkauf des KnowHows zur Produktion überlassen wir künftig anderen Ländern. Dies ist erst der Anfang einer gefährlichen Entwicklung.

Wenn ich daher von Chancen einer Re-Industrialisierung rede, dann beziehe ich mich im Wesentlichen auf die ersten und frühen Phasen des Produkt-Lebenszyklus, wo Wissensgesellschaft und Produktion zusammenfließen. In späteren Phasen wandert die Produktion dann ab. China, Indien und andere Länder drängen nun jedoch in immer frühere Produkt-Lebenszyklus-Phasen ein und kopieren nicht mehr nur, sondern innovieren mittlerweile auch. Wissen für Innovation und KnowHow zur Produktion fallen dort immer stärker zusammen. Womit wollen wir künftig noch Geld verdienen, wenn niemand mehr unser Wissen benötigt und wir nichts mehr herstellen können? Wir können zwar tolle Sachen erfinden, aber die Länder, die diese Erfindungen für uns produzieren könnten, ziehen entweder das Thema so schnell an sich, dass wir es zu früh aus der Hand geben müssen, oder sie erfinden selbst.

Möchte sich ein Land weiterentwickeln, dann funktioniert dies m.E. nur, wenn man kontinuierliche wirtschaftliche Entwicklung durch Innovation betreibt. Und natürlich auch die Früchte der Innovation ernten kann – und dies bedeutet letztendlich auch Produktion in den ersten Phasen des Produktlebenszyklus.

Ich glaube nicht, dass sich Länder wie China etc. dauerhaft auf Produktion von westlichen Produkten ausruhen werden…

Meine Theorie hierzu ist eigentlich ganz einfach:

Prämisse: Es wird weiterhin Innovationen bei realen Gütern geben.

Situation im 20.Jhd.:

  • westliche Länder: Innovation und Produktion der Innovationen im eigenen Land
  • ärmere Länder: Nix

Situation Ende 20./Anfang 21.Jhd.:

  • westliche Länder: Innovation und Produktion von Innovationen in den westlichen Ländern. Trend zur Wissensgesellschaft in den westlichen Ländern.
  • ärmere Länder: Westliche Länder verlagern die Produktion von mittlerweile standardisierten Routine-Gütern (und somit standardisierten Produktionsprozessen, wo wenig Wissen/KnowHow benötigt wird) in günstigere Länder (Ricardo-Theorie). Manche arme Länder lernen mit der Zeit dazu und entwickeln eigenes Produktions-Know-How und Wissen. Werden zu emerging Markets.

Heutige Situation:

  • westliche Länder: Wissensgesellschaft, Innovation, keine Produktion von Innovationen bei der enormes Produktions-Know-How/Wissen verlangt wird (Beispiel iPhone5).
  • emerging Markets (ärmere Länder, die sich weiter entwickelt haben, wie China, Indien, etc.): Produktion der Innovation, Erlernen von Produktions-KnowHow/Wissen zur Herstellung von hochkomplexen und qualitativ hochwertigen Innovationen.
  • arme Länder: Weiter Produktion von Routine-Gütern

Zukunft:

  • westliche Länder: Wissensgesellschaft ohne Produktions-KnowHow: Innovationen/Erfindungen, keine Umsetzung der Innovationen. Fallen zurück, da keiner die Innovationen produzieren kann (welche Länder wären dazu in der Lage?) Kann man in Bangladesh qualitativ hochwertige Innovationen produzieren? Könnte ein iPhone5 in der Komplexität und Qualität dort hergestellt werden? Können nur noch Innovations-Ideen produzieren und konzipieren, aber nicht mehr umsetzen.
  • emerging-Markets: Wollen nicht mehr nur reine Produzenten der westlichen Welt sein, sondern sich auch immer weiter entwickeln. Überholen somit westliche Länder, da sie mittlerweile selbst in den Zukunftsmärkten innovieren und produzieren können (siehe Solar-/Energie-Branche, Umweltschutz, Medizintechnik, Elektromotoren, etc.). Erfindung/Innovation UND Produktion von Zukunfts-Produkten (nicht Routine-Produkten), wie erneuerbare Energien, Medizintechnik,… und somit Produkte, die wir dann als westliche Welt benötigen werden, findet in den heutigen emerging-Markets statt – auf einem höheren volkswirtschaftlichen Entwicklungsniveau der bisherigen westlichen Länder.

Der KnowHow-Verlust in der westlichen Welt ist längst spürbar. Die deutsche Automobilindustrie beklagte noch vor Kurzem den Fachkräftemangel und dass sie bei der Entwicklung von Elektromotoren nicht weiter kommen, da es zu wenig gute Elektroingenieure in Deutschland gibt. Das KnowHow hierfür ist längst in den emerging Markets.

Es geht für mich nicht um die Zurückholung der Produktion von Routine-Gütern mit den Aspekten Arbeitergesellschaft, Billig-Löhne, Einfache Arbeit, Armut, etc., sondern um das Zurückholen der Produktion von Innovations-Gütern, wofür höchst qualifizierte und sehr gut bezahlte Ingenieure etc. benötigt werden.

Echte Innovationen und Basis-Innovationen können nicht von einfachen Arbeitern hergestellt werden. Die ersten Computer wurden nicht in Billiglohn-Ländern produziert. Das Problem ist nur, dass westliche Länder – und insbesondere Deutschland – seit langem keine echte (Basis-) Innovation mehr hervorgebracht haben – trotz Wissen/Wissensgesellschaft. Mir fällt zumindest kein Beispiel ein… Euch? Vielleicht, weil wir die tollen Ideen gar nicht (mehr) herstellen können…?

Wissensgesellschaft bedeutet für mich, dass man nicht nur mit der Idee eine Volkswirtschaft laufend weiter entwickelt, sondern auch, dass man zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die Innovationen und der Produktionsprozess weitestgehend standardisiert wurden, diese in die anderen Länder bringt. Ist ja schön, dass bspw. in Deutschland das mp3-Format, das Faxgerät oder der Kopierer erfunden wurde. Gebracht hat es Deutschland nichts.

Zusammengefasst:

Wissensgesellschaft ist extrem wichtig, aber auch Tüftler, Forscher und Erfinder, die auch Sachen nicht nur auf Papier bringen, sondern auch machen bzw. herstellen können.

Die Herstellung von Neuem ist aus meiner Sicht Teil der Innovation.

Der Produktionsprozess verlangt in dieser frühen Produktlebenszyklus-Phase ein extrem anspruchsvolles Fertigungs-KnowHow und Wissen, bevor es standardisiert, informelles Wissen kodifiziert, weitergegeben und abwandern kann. Die Herstellung von Neuem hat sehr viel mit Tacitknowledge, also informellem Wissen, zu tun, welches nicht einfach niedergeschrieben, übertragen und von Dritten verstanden werden kann. Am Besten kann eine Innovation von demjenigen umgesetzt werden, der sie erfunden hat, weil er sich oft jahrelang damit auseinandergesetzt hat, diese in ihm gereift ist und er am Besten weiß, wie seine Innovation funktionieren und aussehen soll.

Deshalb gehört dies für mich auch zur Wissensgesellschaft. Die Wissensgesellschaft ist für mich somit nicht nur virtuell, Service und Dienstleistung, sondern hält auch Einzug in die Phase der Produktion, wo spezifisches Wissen noch sehr wichtig ist. Produktion von Neuem bedeutet Neues in der Produktion, d.h. Produktionswissen wird zu einem entscheidenden Faktor.

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Zwei Themen sollen aber noch angerissen werden:

  • Insbesondere vor dem Hintergrund des Carbon-Footprint stellt sich natürlich schon die Frage – auch bei standardisierter Produktion, ob jede Rolle Toilettenpapier etc. eine weite Reise machen sollte…
  • Des weiteren vollzieht sich gerade ein gesellschaftlicher Wandel und wir befinden uns auch wieder auf dem Weg zu einer Gesellschaft von „Machern
  • Do it Yourself (DIY) erfährt eine neuen Boom. “Making is the new sex”:

Zum einen wird Handarbeit etc. wieder „cool“.:
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Zum anderen wird das Thema 3D-Druck perspektivisch nicht mehr aus den Haushalten weg zu denken sein und ganze Branchen vernichten bzw. verändern.
“Today’s Maker-Movement is the new industrial Revolution”

Meine Probleme mit unserem Bildungssystem

Jeder Mensch ist anders, d.h. denkt anders, hat andere Talente und geht anders an Dinge heran.
Unser Schul- und Bildungssystem versucht noch immer diesen Individualismus zu beseitigen und fertige Lösungen und Lösungswege zu standardisieren und “einzutrichtern”.
Die Kinder werden in eine genau vorgeschriebene Richtung und nach bis ins Detail ausgearbeiteten Lehrplänen, die für alle gleich sind und wo die Lösungswege und Inhalte genau vorgeschrieben sind, zu Einheits-Menschen entwickelt, was dann im Einheits- (alle sind gleich) Abitur seinen Höhepunkt findet.
Alleine das Wort Lehrpläne hört sich schon fast an, wie Baupläne. So wie die “triviale Maschine” bei Heinz von Förster, wo alles genau vorgeschrieben zu funktionieren hat.
Bei einem Auto macht dies sicher Sinn, aber nicht bei einem Menschen und nicht für jemanden, der neue Autos (oder die Nachfolge-Transportmittel) erfinden soll.
Der muß anders und neu denken, neue Wege gehen und vorgegebene Pfade verlassen. Nur so gibt es wirtschaftliche Entwicklung. Die Herausbildung dieser Fähigkeiten muß im Mittelpunkt der Bildung stehen, wenn wir uns weiterentwickeln und nicht beim SatusQuo und in Routine enden wollen – was letztendlich in Armut endet.
Zur Herausbildung von Managern und Verwaltern mag das vielleicht ein gangbarer Weg sein, nicht aber zur Entfaltung unternehmerischer Fähigkeiten und Talente.
Wenn wir ein Land sind, welches durch Denken, Wissen und Innovation lebt, dann muss freies Denken, Kreativität und die eigenständige Erarbeitung von Wissen (mit eigenen Lösungswegen und wo es kein richtig oder falsch gibt) im Mittelpunkt stehen. Die angeborene Neugier und der Entdeckungsdrang muss gefördert, anstatt ausgetrocknet werden.
Wie soll wirtschaftliche Entwicklung und Innovation in einem Land erfolgen, wo die Menschen durch das vereinheitlichte und streng vorgeschriebene Schulsystem zu dem genauen Gegenteil erzogen werden? Einem System, wo freies Denken und Erarbeitung eigener Lösungswege verboten bzw. nicht gewollt ist bzw. nicht in die Lehr”pläne” passt? Innovation und letztendlich wirtschaftliche Entwicklung kann nur von den Menschen kommen, bei denen die Trivialisierung und die Beschneidung des freien Denkens gescheitert ist – also von Menschen, die es entgegen der derzeitigen Bildungspolitik geschafft haben, ihre Kreativität beizubehalten.

Und da jeder Mensch anders ist, muss auch die Herausbildung (und nicht Abtötung) der individuellen Stärken im Mittelpunkt stehen. Ich frage mich zudem warum bspw. durch die NC-Regelung nur Menschen zu einem bestimmten Studium zugelassen werden, bei denen die Trivialisierung am erfolgreichsten war (was anderes sagt die Abiturnote ja nicht aus) und nicht diejenigen, die das größte Talent in dem jeweiligen Bereich haben?

FTD-Serie Kreative Zerstörer der deutschen Wirtschaft

Die FTD zeigt, was sich hinter Schumpeters “schöpferischer Zerstörung” verbirgt – in einer Porträtserie über die innovativsten Unternehmer des Landes.

via
FTD.de – Unternehmer mit Profil: Kreative Zerstörer der deutschen Wirtschaft – Management.

Entwicklungslosigkeit der Konjunkturprogramme

Prof. Röpke hat einen sehr guten Beitrag über die entwicklungslose Wirkung der verabschiedeten Konjunkturprogramme geschrieben.

Er beklagt – zu Recht – die Konzentration auf (veraltete) “Schlüsselbranchen”, anstatt innovative Mikromultiplikatoren zu fördern, wird Geld in alte Industrien und Branchen gesteckt, die von der Veralterung und somit der Krise besonders betroffen sind und Management by crocodile betreiben: Warten, bis einem das Wasser am Hals steht, dann das Maul weit aufreißen. So befindet sich die Wirtschaft auf dem Weg in die Innovationsdemenz und Altersverwirrtheit. Mit einem Bruchteil der Pakete des Obamaismus und Merkelismus hätte man – richtig zugeteilt – eine enorme Entwicklungsdynamik erzeugen können. Wenn man schon Schulden macht, warum nicht für Vorhaben, die langfristige Entwicklung erzeugen und kurzfristig Krisen meistern helfen? Lediglich 15% der Konjunkturprogramme seien diesem Ziel gewidmet. Wie Schumpeter schon sagte: Investition = Innovation. Röpke zeigt sehr praktikable Wege auf, wie durch die Entwicklungslogische Brille makroökonomisch hätte gehandelt werden müssen. Die Ansätze lassen sich zudem ziemlich gut auch auf die Mikroökonomische Ebene und somit auf das Verhalten einzelner Unternehmen und deren Führung herunter brechen.

Sehr lesenswert…

Expertenmeinungen und Innovation…

…hört sich im ersten Moment recht schlüssig und plausiebel an…

Wenn man jedoch eine neue Idee oder ein innovatives Geschäftsmodell entwickelt hat, dann ist diese in einem selbst über einen langen Entwicklungs- und Erfahrungsprozess gereift.

Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, wo man diese gerne in die Realität umsetzen möchte und man begibt sich auf die Suche nach Menschen, die diese Vision verstehen, den Enthusiasmus teilen und einem ggf. Venture-Capital zur Verfügung stellen bzw. einen auf der Suche nach diesem unterstützen.

Was man dann leider immer wieder erleben muss ist eine scheinbar ganz natürliche Reaktion, denn diejenigen, die man von der Idee begeistern möchte, haben nicht den gesamten evolutorischen Prozess und die innere Reifungsphase dieser Idee durchlaufen, wie man es selbst getan hat und können diese somit gar nicht für so selbstverständlich und erfolgsversprechend begreifen, wie man es selbst kann.

Es kommt dann meist schnell die Fragen auf, dass wenn es eine so tolle Idee ist, warum sie nicht schon jemand anderes oder die Firma XY etc. umgesetzt hat usw.

Ferner werden dann meist zudem sogenannte “Experten” konsultiert, die eine Meinung zu dieser Idee abgeben sollen.

Mit den “Experten”-Meinungen ist es dann jedoch dasselbe Problem. Auch bei diesen hat ja die Idee nicht den selben Reifungsprozess durchlaufen. Was meist übersehen wird ist, dass es ja für diese Idee, sofern sie neu ist, quasi per Definition zwangsläufig gar keine Experten geben kann – genausowenig wie eine Standard-Software etc. Denn wie soll es für neue Ideen bereits Experten geben?!

Wo wären wir, wenn man bei Innovationen immer auf den Rat von Experten, die es folglich ja nur für “alte” Ideen und Geschäftsmodelle geben kann, gehört hätte?
Neue Ideen wurden immer von sogenannten “Experten” belächelt und die Menschen mit diesen Ideen und Überzeugungen für verrückt erklärt – egal, ob es sich um Flugzeuge, Autos, Eisenbahn, Telefon usw. handelt.

Auch Marktforschung kann bei Innovationen nicht weiter helfen, denn durch das “dem-Kunden-nach-dem-Maul-reden” lassen sich ebenfalls keine Innovationen erwarten.

Hätte Henri Ford Marktforschung betrieben,
so hätte er eine schnellere Kutsche entwickelt.”

Hierduch wird man laut Jochen Röpke höchstens zum Sklaven des Konsumenten. Die Peitsche der Nachfrager hält einen auf Trab und man wird für seine Mühen abgespeist mit einem mageren Unternehmerlohn, denn der Käufer diktiert somit Angebot, Preise und Konditionen.

Alles was neu und anders ist, sieht in der Marktforschung zwangsläufig erst einmal schlecht aus.

Auch das Sammeln von neuen und weiteren Informationen hilft meist nicht weiter, denn Wissen erhöht Unsicherheit. Man bemerkt, was man alles noch nicht weiß, bekommt das starke Bedürfnis nach noch mehr Wissen, sammelt weitere Informationen, merkt noch mehr, dass man eigentlich fast überhaupt nichts weiß, usw… Das wahrgenommene Risiko nimmt also mit mehr Informationen und Wissen zu, anstatt ab. Wie es Thomas Bubendorfer ausdrückte, kommt der Bergsteiger, der versucht alle Risiken abzuwägen und sich gegen alles abzusichern nie aus seinem Basislager heraus.

Infolgedessen muss man jemanden als Unterstützer bzw. Business-Angel für seine Idee finden, der diese Zusammenhänge versteht, sich nicht auf Meinungen Dritter verlässt und daher eher die persönliche Geschichte des Unternehmers, seine Motivation und seine Leidenschaft in den Vordergrund seiner Beurteilung stellt, da dies die wichtigste Voraussetzung für einen möglichen Markterfolg darstellt.

Wieso Geldgeber die innovativsten Startups unterschätzen

Einen sehr guten Beitrag, den ich nachfolgend daher 1:1 übernehme, hat Jochen Krisch zum Thema Geldgeber für Innovationen geschrieben:

Paul Graham bringt das Paradoxe an innovativen Ideen und Geschäftsmodellen auf den Punkt:

“Any really good new idea will seem bad to most people; otherwise someone would already be doing it.”

Gründer, die etwas originär Neues wagen wollen, tun sich extrem schwer, an das erforderliche Kapital zu kommen, das es ihnen erlaubt, neuartige Ideen weiterzuentwickeln, reifen zu lassen und einen Weg zu finden, sie groß zu machen.

Wenn sich dann selten genug doch mal ein Kapitalgeber findet, beginnt umgehend der Monetarisierungsdruck – und die einst vielversprechende Idee wird solange verbogen, bis das Zukunftspotenzial dahin ist.

Umair Haque hat das Dilemma kürzlich beschrieben (“How to Fix Venture Capital”) und Marcel Weiß hat es aufgegriffen (“Warum gibt es keine Innovatoren vom Schlage Googles?”).

Außenstehende unterschätzen, wie extrem risikoscheu die Investorenszene ist. Engagierte Gründer, die mit (scheinbar) verrückten Ideen neue Märkte erobern wollen, werden als Belästigung empfunden.

Zwar behaupten alle, dass sie “das nächste Google” finden wollen. Doch wird dies ihr ewiger Traum bleiben, weil weder die vom frühen Internet geprägten Business Angels noch angestellte Investmentmanager “das nächste Google” je erkennen würden. Viel zu riskant!
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Deutsche Unternehmen kopieren Web-2.0-Trends – pressetext.schweiz

…aber über die chinesischen “Plagiate” und “Produktpiraterie” regen wir uns auf… ;-)Deutsche Unternehmen kopieren Web-2.0-TrendsHeimische Ideen haben kaum ChancenBerlin (pte/26.03.2007/06:10) – Das so genannte Web 2.0 boomt, doch deutsche Unternehmen begnügen sich damit, innovative Konzepte aus den USA zu kopieren. Eigenständig entwickelte Ideen findet man in Deutschland nur selten, berichtet die Zeitung “Die Welt”. Social-Networking-Portale wie Facebook oder das VideoPortal YouTube werden fast eins zu eins übernommen und heißen dann in deutscher Version StudiVZ und MyVideo. Doch mit wenigen Ausnahmen bleiben die US-amerikanischen Originale beliebter als die heimische Kopie. Eine Studie des Münchner Beratungsunternehmens Aquarius Consulting zeigte, dass unter den zehn beliebtesten Web-2.0-Portalen, die von den Deutschen genutzt werden, nur drei deutsche Anbieter zu finden sind. Weiterlesen

Unternehmertypen nach Jochen Röpke

Hier ist eine Übersicht über die von Prof. Röpke unterschiedenen Unternehmertypen:

Unternehmertyp

Funktion

Routine
“Homo oeconomicus”
  • Theorie: Neoklassik; Allokationseffizienz
  • Ressourcen-Allokation, Optimierer des Ressourcen-Einsatzes
  • Lehrbuchunternehmer der WiWi
  • Der unternehmerische Alltag ist Routine
  • Märkte sind im Gleichgewicht
  • Gewinnmaximierung
  • Paradigma: Neoklassik, theoretischer Mainstream, Allokationslogik
Arbitrage
“Der findige Unternehmer”
  • Theorie: Österreichische Schule; Koordinationseffizienz
  • Koordination in Märkten
  • Der Arbitrageur dominiert quantitativ das moderne Wirtschaftsleben
  • Entdecker von Bewertungsdiskrepanzen in Unternehmen und Märkten (auch kurzfristig: Spekulation)
  • Ausnutzen von Preisunterschieden und Bewertungsdiskrepanzen auf Märkten, Börsenplätzen,…
  • Gewisse Rücksichtslosigkeit, Abzockermoral, Freisein von ethischen und moralischen Skrupeln
  • Paradigma: “Österreichische Schule” (Hayek, Mises, Kirzner), Tauschlogik
Innovation
“Der schöpferische Unternehmer”
  • Theorie: Schumpeter; Innovationseffizienz
  • Neukombination von Ressourcen
  • Rekombination von gegebenen
  • Neue Technik, Produkt, Märkte, Organisation, Beschaffungswege
  • Paradigma: Schumpeter, Neo-Schumpeterianer, Entwicklungslogik
Evolution
“Der evolutorische Unternehmer”
  • Theorie: Evolutorische Ökonomik; Evolutionseffizienz
  • Entfaltung von Handlungskompetenzen
  • Was auf dem Weg (der Innovation) zählt ist die Fähigkeit zum Wandel
  • Entwicklung in sich selbst, selbstevolutiv (durch Transformation und Transzendenz).
  • Evolutionieren kann nur jeder Unternehmer selbst. Er kann sich aber bei seiner Selbstevolution anregen, stören, irritieren lassen.
  • Paradigma: Daoismus (Laotse), Evolutionslogik

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Evolutorisches Management

Wir glauben mit Problemen fertig zu werden, wenn man sie dort bekämpft, wo sie auftreten. In einem komplexen System führt jedoch gerade die Beseitigung eines Problems meist dazu, dass man damit gleich wieder neue Probleme schafft. Die Welt wird immer durch unerwartete Ereignisse, Diskontinuität und Turbulenz geprägt sein. Friedrich von Hayek stelle fest, dass “wir in der Tat auf vielen Gebieten genug gelernt haben, um zu wissen, dass wir nicht all das wissen können, was wir zu einer vollständigen Erklärung der Phänomene wissen müssen”. Demzufolge geht das evolutionäre Management von gänzlich anderen Grundvorstellungen als das technokratische Management aus.

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