Steuerung über „gesicherte“ (Finanz-)Kennzahlen

Viele Unternehmen werden noch immer in einem immer stärkeren Ausmaß über (Finanz-) Kennzahlen geführt, wodurch die Perspektive (u.a. aufgrund der Shareholder-Value-Maxime oder durch die Ausrichtung auf Banken- und Beraterforderungen) auf in Geldgrößen quantifizierbares verkürzt wird[1], obwohl hierdurch weder die Leistungsfähigkeit noch die Zukunftsaussichten eines Unternehmens widergespiegelt werden[2]. Die Unternehmen werden hierdurch stattdessen in ihrer langfristigen Lebensfähigkeit bedroht, da für die Lebensfähigkeit eines Unternehmens völlig irrelevante Zielsetzungen, wie Größe (wir wollen zur Weltspitze gehören), Geschwindigkeit (schneller sein als andere), Rationalisierung (Produktionssteigerung um jeden Preis), ungeprüft als Zielgrößen angepeilt werden[3]. Ebenso verhält es sich mit der Maxime der Gewinnmaximierung und mit der in ihr wohnenden Gefahr, die Rentabilität zum Mythos zu erheben[4]. Die Rentabilität ist jedoch nicht Zweck der Unternehmenstätigkeit, sondern schränkt das Unternehmen und seine Tätigkeit eher ein. Der Gewinn ist nicht die Erklärung, die Ursache oder der Beweggrund der Vorgehensweise von Unternehmen und deren wirtschaftlichen Entscheidungen, sondern dient lediglich dazu, die Richtigkeit dieser Entscheidungen einzuschätzen[5]. Finanzwirtschaftliche Kennzahlen mögen in verschiedenen Situationen durchaus ihren Nutzen haben. Sie sind aber untauglich für die Führung eines Unternehmens, also für jene Funktion, die das Wirtschaftsergebnis überhaupt erst produzieren muss, bevor es dann bewertet werden kann[6]. Alle finanzwirtschaftlichen Kennziffern sind für die Führung höchst problematisch, weil sie den wesentlichen Dingen des Managements zeitlich hinterherlaufen[7]. Die Finanzmärkte als Treiber dürfen die Grundfunktion des Unternehmens nicht gefährden, indem ihre Analysen kurzfristige Kennzahlen als Ausgangspunkt für die Bewertung von Unternehmen nehmen[8]. In erfolgreichen Unternehmen kommt customer value vor shareholder value[9] – der Customer Value schlägt langfristig den Shareholder Value[10].



[1] Vgl. Fredmund Malik, 2004, S. 27, Vgl. Frederic Vester, 2002, S.81

[2] Vgl. Frederic Vester, 2002, S. 95. Praktisch alle Unternehmen, die in den letzten zehn Jahren in Schwierigkeiten waren oder untergegangen Sind, wurden nach dem US-Muster des Shareholder-Value geführt. Alle gesunden Unternehmen wurden nach gegenteiligen Prinzipien geführt. Vgl. Fredmund Malik, 2004, S.28f

[3] Vgl. Frederic Vester, 2002, S. 49

[4] Vgl. Peter Drucker, 2004, S.35f.

[5] ebd. Es kann zudem die Frage gestellt werden, ob man überhaupt von  „Gewinn“ sprechen sollte, oder ob es vielmehr keine Gewinne, sondern nur Kosten gibt, also Kosten für das heutige Geschäft und die Kosten, die nötig sind, um im Geschäft zu bleiben. Vgl. Fredmind Malik, 2004, S.178f.

[6] Vgl. Fredmind Malik, 2004, S.84ff.

[7] ebd.

[8] Vgl.Christian Belz, Thomas Bieger, 2004, S.75

[9] Vgl. Jochen Röpke, 2002, S. 169

[10] Vgl.Christian Belz, Thomas Bieger, 2004, S.38ff.

Die verzweifelte Suche nach dem Heil in einer „lückenlosen“ Datenerfassung

Die Scheu vor „weichen“ Daten führt zu der Gefahr der Fixierung auf vermeintlich „gesicherte Messwerte“, also auf (lediglich zufällig) messbare Daten mit bis dato erfundenen Messinstrumenten. Heinz von Förster gibt ein schönes Beispiel, wie wir Zahlen und analytische Sichtweisen erfinden: „Manchmal tuen es Zahlen, manchmal nicht. Mann kann nicht fünf Bücher ins Regal stellen, wenn man nur drei hat. Ein anderer sagt aber: Paß auf, du kannst ohne weiteres fünf von drei abziehen, wenn Du Zahlen hast, die diese besonderen Operationen kennzeichnen. Wenn Du ein kleines horizontales Strichlein vor diese Zahl setzt, die du da schon abgezogen hast, dann hast Du eine Zahl mit einem horizontalen Strichlein vorne. Das nennt man „Minus“ und dann erhältst du -2. Damit kannst Du operieren, als wäre es wie +2, wenn du nur diese zusätzlichen Regeln miteinbeziehst. Es war eine Erfindung, dieses Problem auf diese Weise zu lösen. Und so wurde eine prinzipiell unbeantwortbare Frage durch eine elegante Erfindung plötzlich beantwortbar. Ein neues Spiel, die negativen Zahlen, war geboren. Die negativen Zahlen sind keine Entdeckung, sie sind eine reine Erfindung“.

Statt zu glauben, sich mit den ermittelten Zahlen absichern zu können, sollte man sich eher vor ihnen hüten. Computerisierung und Quantifizierung der Planung schliessen die Gefahr der Reduktion auf das Messbare und das Vortäuschen einer nicht gegebenen Sicherheit der Voraussicht ein, was zu Illusionen über die Machbarkeit der Zukunft führen kann. Zum einen können nicht alle messbaren Werte gemessen und berücksichtigt werden, wodurch immer nur ein Ausschnitt dargestellt wird. Zum anderen bleiben die Wirkungsbeziehungen der Faktoren untereinander (strukturelle Koppelungen) außen vor. Zudem liefern sie keine Erklärungen. Spätestens im Moment der Interpretation wird die härteste Empirie weich: Die Kontingenz erscheint nun unabweisbar, weil zu allen Faktensammlungen unterschiedliche Interpretationsgeschichten erzählt werden können. Jemand beschreibt „es“, also „ist“ es, wie der Beschreibende es sagt. Er hat die Verantwortung über das „Es“. Niemand kann sagen, wie es ist. Und wenn es „war“, kann niemand rekonstruieren, wie es „war“. Ein Erkenntnisgewinn, der zu einer größeren Sicherheit führt ist folglich nicht möglich.

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Daoismus als Erklärungsmodell für wirtschaftliche Entwicklung

Nachfolgend wird auf Basis der Überlegungen von Jochen Röpke und Ying Xia aufgezeigt, warum der Daoismus ein ideales Erklärungsmodell für wirtschaftliche Entwicklung darstellt.Der Daoismus ist keine metaphysische Lehre und kein Glaubenssystem. Er beschäftigt sich mit der „realen“ Welt, mit dem Lauf der Welt und der Dinge in ihr, mit den Prinzipien und Möglichkeiten und Strategien ihrer Gestaltung, Verbesserung, Evolution, auch ihres Niedergangs und ihrer Zerstörung.Der Daoismus ist keine lebensfremde Philosophie; er reflektiert die chinesische historische Entwicklung über viele Jahrhunderte und ist eine theoretische „Antwort“ auf die „Herausforderungen“ der Moderne. Weiterlesen

Social-Commerce Aufsatz der Bundeswehr-Uni

links for 2007-08-31

Erfolgsabhängigkeit einzelner Personen bei Innovationen

Warum sind manche Startups und Unternehmen erfolgreich und manche nicht?
Leider keine triviale Frage, zumal sich das „warum“ sowieso nie erklären lässt.

Es gibt jedoch ein paar wichtige Hinweise, die ich hier gerne anführen möchte.
Letztenendes dreht sich vieles um die Unternehmerfigur.
Es wird immer wieder gerne angeführt, dass eine Innovation oder ein Unternehmen nicht von einzelnen Personen abhängig sein darf, da ja schlieߟlich irgendwelche Unglücke usw. passieren können, die eine Innovation nicht behindern dürfen.
So schön und nachvollziehbar dieser „fromme“ Wunsch auch klingt, so unrealistisch ist dieser aus konstruktivistischer und evolutionstheoretischer Brille auch.

Der Erfolg eines Unternehmens und einer Innovation ist (neben der eigentlichen Geschäftsidee) vor allem mit dem einzelnen Unternehmer und seinen Fähigkeiten verbunden. Röpke schreibt hierzu: Eine Innovation an sich bringt nichts, sondern entscheidend ist nach Schumpeter das Durchsetzen von Innovationen – also die Ebene der Fähigkeit. Das ein Unternehmer zum Innovieren Wissen sucht und braucht, ist trivial, das andere ihm sein Wissen abnehmen, genau so. Macht der Unternehmer Wissen nicht zu seinem Wissen – bleibt es totes Wissen. Er mag viel wissen, das Tun ist eine andere Sache.

Schauen wir uns zum besseren Verständnis noch einmal die unterschiedlichen Unternehmermentalitäten bzw. -Funktionen nach Röpke an:

  • Routine:
    • Routine bedeutet den Einsatz der Ressourcen zu optimieren (Peter Drucker: die Dinge richtig tun).
    • Das neoklassische („neoliberale“) Programm. Der Routineunternehmer ist zuständig für die Funktion „Effizienz“, „anpassen“, maximieren des Nutzens, die Funktion des Homo oeconomicus oder des „Wirts“ (Schumpeter).
    • Ein Geschäftsmodell hingegen zu optimieren, das auf dem Weg in die Irrelevanz ist, sichert nicht das Überleben der Unternehmung.
  • Arbitrage:
    • Der Arbitrageunternehmer erkennt und nutzt Bewertungsunterschiede, insbesondere zwischen Preisen (klassisches Beispiel sind die Börsen). Spekulation ist eingeschlossen.
    • Mit Routine und Arbitrage läßt sich hingegen keine Entwicklung erzeugen, das System Wirtschaft läuft daher auch, wenn Innovation ausdünnt, in Stagnation
  • Innovation:
    • Die innovatorische Funktion bezieht sich auf die Neukombination von gegebenen Ressourcen
  • Evolution:
    • Der evolutorische Unternehmer betreibt Selbstevolution, insbesondere aber nicht ausschließlich im Bereich seiner innovatorischen Fähigkeiten

Mit jeder dieser Funktionen sind auch unterschiedliche menschliche Fähigkeiten und Mentalitäten verbunden.

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Aus konstruktivistischer Brille ist jeder Mensch individuell, d.h. jeder denkt wie kein zweiter, was sich aus der Strukturdeterminiertheit eines jeden einzelnen ergibt.

Die ganz persönlichen und individuellen Erfahrungen, die Kultur, usw. sind entscheidend dafür was und wie etwas wahrgenommen und interpretiert wird. Denken, Handeln, Lernen, Wissen, Innovieren usw. ist somit zahlreichen biologischen, kognitiven, sozialen und kulturellen Bedingungen unterworfen.

Jeder versteht nur das, was jeder einzelne aufgrund der eigenen Geschichte und Biografie verstehen kann. Jede Person sagt, was sie sagt, und hört, was sie hört, bzw. denkt, was sie denkt gemäß ihrer eigenen Strukturdeterminiertheit.

Alles was wir sehen, hören, riechen, schmecken, denken, fühlen, usw. ist das Ergebnis einer gigantischen Konstruktion unseres Gehirns (etwas, was emergiert, d.h. sich allmählich und auf der Basis von individuellen Geschichten und Traditionen herausbildet).

Selbst bei scheinbar ganz trivialen Dingen ist dies so. Wenn ich bspw. hier das Wort „Katze“ schreibe, dann versteht jeder Leser etwas ganz anderes darunter und jeder hat ein anderes Bild vor Augen. Nicht nur bezüglich welche Art von „Katze“ gemeint ist, sondern auch hinsichtlich des Aussehens, in welcher Umgebung sie vielleicht vor dem geistigen Auge steht, ob sie sich bewegt oder nicht, von vorne, von der Seite oder von hinten, wie sie schaut usw. Je mehr wir jedoch versuchen all dies zu konkretisieren und zu beschreiben, desto schwieriger wird es, da sich bei immer mehr Details immer neue und weitere Dimensionen eröffnen (Wissen erzeugt Unwissen).

Insbesondere im innovativen Bereich, in dem neue Ideen heranreifen, spielt das mit der individuellen Entwicklung verbundene und nicht kodifizierbare Wissen (informelles Wissen, Tacit-Knowledge bzw. Erfahrungswissen) eine entscheidende Rolle – auf der Ebene der Routine, also dem „Managen“ bzw. „Verwalten“ oder der Arbitrage tritt dieses Wissen eher in den Hintergrund (Routine-Wissen ist lern- bzw. antrainierbar). Aus diesem Grund funktionieren auch Transferzentren, die neue Erkenntnisse und Forschungsergebnisse etc. aus Universitäten und Forschungsinstituten in die Wirtschaft „transferieren“ sollen, nicht wirklich.
Zum erfolgreichen Durchsetzen dieses dort gewonnenen Wissens in erfolgreiche Innovationen, Startups oder Unternehmen, müssen diejenigen, aus denen die Ergebnisse, Ideen etc. herangereift und hervorgegangen sind, dieses auch umsetzen und für einen dauerhaften und nachhaltigen Erfolg auch dauerhaft verantworten (evolutorische Fähigkeit). Wie soll denn das auch funktionieren, dass sich andere Menschen (vielleicht sogar durch Anweisung) genauso in den Entstehungsprozess und die Idee und zudem mit mindestens dem selben Involvement hineindenken sollen, wie derjenige, aus dem diese hervorgegangen ist? Es wird immer etwas anderes dabei herauskommen, je nachdem, welcher individuelle Mensch ein und dieselbe Idee umsetzt und dauerhaft verantwortet.

Die Erfolgsaussichten von Neuerungen, Startups usw. hängen somit sehr stark von einzelnen Personen ab, die neben dem Wissen und den damit verbundenen Fähigkeiten auch über die entsprechende Motivation verfügen, welche bei denjenigen, aus denen die Idee hervorgegangen ist in der Regel um ein vielfaches höher ist, als bei „externen“.

Die Gegenwart bestimmt die Vergangenheit

Wir meinen, dass die Vergangenheit bestimmt, was wir heute sind und tun.
Es ist doch aber vielmehr so, dass die Gegenwart die Vergangenheit bestimmt und nicht die Vergangenheit die Gegenwart, genauso wie ein Schiff Wellen hinter sich lässt und nicht die Wellen das Schiff antreiben. Zurückgedacht zu dem Punkt an dem alles (das Universum) begann, gab es keine Vergangenheit, d.h. die Dinge, die zu diesem Zeitpunkt passierten, bestimmten die Vergangenheit – und so ist es auch heute noch.

Man muss sich immer fragen, warum entscheide ich genau jetzt so und nicht, warum ich mich in der Vergangenheit so oder so entschieden habe. Sich an der Vergangenheit orientieren, was wir ja auch gerne im täglichen Management machen – indem wir uns bspw. die Vergangenheitszahlen anschauen, um daraus Prognosen für die Zukunft abzuleiten – ist genauso, als wenn wir ein Auto fahren und bei der Fahrt durchs hintere Fenster schauen. Die Zukunft wird immer anders sein als die Vergangenheit und jede Entscheidung, die heute getroffen wird, wird immer unter anderen Voraussetzungen getroffen, als in der Vergangenheit. Ob eine Entscheidung letztendlich richtig oder falsch gewesen ist, kann man zudem nie im nachhinein beurteilen.

Mythos der Kausalität

Unsere Kultur, unsere Ausbildung und unsere bewusste Aufmerksamkeit basiert auf linearem Scannen (den Chinesen ist diese Denkweise vollkommen fremd). Wir analysieren die Welt in Linien so, als wenn man einen Spot im Raum bewegt. Warum unsere Ausbildung so lange dauert und für viele Menschen so schwierig ist, liegt daran, dass wir kilometerweise gedruckte Linien scannen und wir dies als wichtige Information erachten.

Die Welt besteht jedoch nicht aus Linien, sondern ist ein multidimensionales Continuum, in dem alles gleichzeitig und überall passiert und es passiert so schnell, dass es nicht in Linien oder andere Informationen übersetzt werden kann, wie schnell wir es auch zu scannen vermögen.

Computer können zwar das lineare scannen deutlich verschnellern, aber es bleibt weiterhin lineares scannen.

Eine Katze wird gebohren mit Kopf und Körper. Wir zerteilen diese jedoch in unterschiedliche Stücke, um sie zu beschreiben und dann vergessen wir, dass wir dies getan haben. „Der Kopf der Katze“ und „der Körper der Katze“, obwohl es eine ganze Kopf-Körper-Katze ist. Nachdem wir die Katze in Stücke zerlegt haben, versuchen wir zu beschreiben, wie diese Stücke wieder zusammenpassen. So machen wir es mit allem und dem gesamten Universum. Und so haben wir den Mythos der „Kausalität“ erfunden, um zu beschreiben, wie die einzelnen Stücke, die wir zuvor zerlegt haben (und von dem wir vergessen haben, dass wir das taten), zusammengehören.

Wir zerlegen die Welt nur deshalb in kleinere Stücke, damit wir sie intellektuell verarbeiten können. Unsere Welt, die Natur und im Endeffekt alles ist jedoch nicht star und in Stücke zerlegbar, sondern durch und durch wendig und „durcheinander“ (wir würden nach unserem westlich antrainierten Ordnungssinn sagen, unordentlich, was uns letztendlich dazu verleitet, in die Welt einzugreifen – aber hat jemand schon einmal eine unförmige Wolke gesehen?).

So lange wir jedoch an der Weisheit der Linearität festhalten, können wir nicht mit mehr als ein paar Variablen gleichzeitig umgehen (komplexe Systeme sind analytisch nicht erklärbar).

Wenn wir studieren, dann lernen wir, mit dieser Fülle von Variablen mit Hilfe statistischer Methoden umzugehen, genauso wie Versicherungsgesellschaften mathematische Tabellen benutzen, um vorherzusagen, wann die meisten Menschen sterben werden.
Das dabei herauskommende durchschnittliche Alter spiegelt jedoch nicht das einer einzelnen Person wider und die Bandbreite der individuellen Sterbealter liegt sehr weit auseinander. Mit solchen armseligen Methoden versuchen wir Gentechnik zu betreiben und unsere politischen und ökonomischen Probleme zu lösen. Unser Gehirn hingegen ist in der Lage, Millionen von Variablen zu verarbeiten, denen wir keine bewußte Aufmerksamkeit schenken. Unser Gehirn und unser Nervensystem steuert just in diesem Moment, wo wir mit lesen und denken beschäftigt sind, ganz nebenbei unseren Bluthaushalt, unsere Drüsen, das Verhalten von millionen Zellen usw. und all dies, ohne darüber nachdenken zu müssen und ohne Prozesse in bewußte Worte, Symbole oder Zahlen zu übersetzen.

„Know-how“ oder „no how“

Als wichtige Eigenschaft im Management und in vielen anderen Bereichen wird immer wieder die Wichtigkeit von „Know-How“ herausgestellt. Ist es aber wirklich wichtig zu wissen, wie etwas bestimmtes funktioniert?Für Daoisten ist die höchste Art von Kenntnis nicht „know-how“ sondern „no-how“.Etwas mit „no-how“ zu bewerkstelligen bedeutet sozusagen, es ohne Methode zu können und ohne dieser Sache Aufmerksamkeit schenken zu müssen. Unser Körper beispielsweise funktioniert, ohne dass wir wissen müssen, wie er funktioniert und dass wir darüber nachdenken müssen (unser Herz schlägt, unser Haar wächst, usw.) – ganz automatisch, Tag für Tag.

Neues Buch von Jochen Röpke

Ich bin schon sehr auf das neue Buch von Jochen Röpke: „Reisen in die Zukunft kapitalistischer Systeme“ gespannt…

Hier schon einmal ein kurzer Vorgeschmack aus dem Vorwort:

„Die kommende Gesellschaft ist immer weniger eine, die sich als
interventionsbedürftig und –willig sowie evolutionsresistent erweist. Gesellschaften und Unternehmen, die ohne Eingriffe – ethische, religiöse, rechtliche, steuerliche – nicht leben können, wollen oder dürfen, laufen gegen die Wand der Evolution. Sie bremsen sich entwicklungsökonomisch und kompetenzevolutorisch gegenseitig aus.

Der von uns vorgestellte Daoismus fordert, was die Klasse der Berater, Besserwisser, Eingreifer, Durchwinker
und Managerkapitalisten in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik erschaudern läßt: „Laß einfach alle Dinge sich von selbst entwickeln“ (Zhuangzi). Und Laozi sagt ihnen: „Handeln sie ohne zu Handeln (wei wuwei), dann (ze) bleibt nichts unregiert/ungeordnet (wu bu wei)“ (Dao De Jing, Kapitel 3).

Ist damit ein Ende der Sakralisierung von Entmündigung und Bevormundung (scheinbar zum Wohle der Opfer)
gemeint? Wir erläutern dazu die theoretischen Grundlagen des Daoismus vor dem Hintergrund der modernen Entwicklungs- und Systemtheorie. Wir versuchen, Einsichten aus den vormodernen Quellen des Daoismus in neuere Erkenntnisse der Entwicklungsforschung zu integrieren, in Form einer systematischen und systemischen Umarmung zu verbinden.“

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Fortschrittliches Denken durch Yin & Yang-Polarität

Am Wochenende las ich wieder mal eines der Bücher meines Lieblingsautors Alan Watts und musste erneut feststellen, wie viel wir von der traditionellen jahrtausend alten taoistische Philosophie für ein besseres und nachhaltigeres Management und Denken lernen können, da unsere alltäglichen Verhaltensweisen doch auf grundsätzlich anderen Vorstellungen zu beruhen scheinen… Dies wurde zwar schon oft von mir in diesem Blog ausgeführt, aber es ist immer wieder erfrischend darüber zu schreiben…Das chinesische Denken und Fühlen wurzelt in dem Prinzip der Polarität (nicht zu verwechseln mit Gegensatz oder Konflikt!).Polarität ist das Prinzip, daß + und -, Nord und Süd, verschiedene Aspekte ein und desselben Systems sind und das Verschwinden das einen das Verschwinden des Systems bedeuten würde.Die westliche Denke und Technologie ist noch immer ganz darauf abgestellt, „die Welt zu verbessern“, Freude zu haben ohne Leid, Reichtum ohne Armut und Gesundheit ohne Krankheit. Doch wie immer deutlicher wird, haben unsere gewaltsamen Anstrengungen, dieses Ziel mit Mitteln wie DDT, Penizillin, Kernenergie, industrielle Landwirtschaft usw. zu erreichen und jeden gesetzlich zu zwingen, oberflächlich „brav und gesund“ zu sein, mehr Probleme geschaffen, als sie lösen.Wir haben ein komplexes System von Beziehungen gestört, das wir nicht verstehen, und je mehr wir zu seinen Details vordringen, desto mehr entzieht es sich uns, indem es immer mehr Details enthüllt (Wissen erhöht Unsicherheit).Während wir versuchen, die Welt zu begreifen und zu dirigieren, läuft sie uns davon. Weiterlesen

Jeden Tag werde ich unklüger…

Je mehr ich weiss, desto mehr merke ich, dass ich nichts weiss…Jeden Tag erlebe ich immer wieder, dass wenn ich mit einem Thema beschäftige (auch bei Themen, bei denen ich dachte über großes Wissen zu verfügen) desto mehr Facetten eröffnen sich zu diesem und es ergeben sich immer neue und weitere Aspekte.Je tiefer man in ein Thema eintaucht, desto stärker entgleitet es einem und um so größer wird folglich die Unsicherheit, da sich immer weitere, ganz neue und vorher nicht erkennbare Blickwinkel und Aspekte ergeben…Wissen erzeugt somit Unwissen. Je mehr wir wissen, desto mehr wissen wir nicht. Man bemerkt, was man alles noch nicht weiß, bekommt das starke Bedürfnis nach noch mehr Wissen, sammelt weitere Informationen, merkt noch mehr, dass man eigentlich fast überhaupt nichts weiß, usw… Dem Nichtwissenden stellt sich die Welt einfach dar.Nur der Vollidiot glaubt folglich, er wisse alles über ein Thema bzw. über alles bescheid und kennt sich zu jedem Thema aus…Hier noch ein paar interessante Weisheiten zu dieser Erkenntnis:

Wissen erhöht Unsicherheit.Handeln bei Unsicherheit erzeugt neues Nicht-Wissen.

“Nur der Wahnsinnige ist sich absolut sicher”(J. Röpke, 2002, S.33)

Weise Menschen sind keine Vielwisser.Vielwisser sind keine Weisen.(Lao-tse, Tao-te-ching, 81)

Ein bewegtes Forscherleben

Radikal-Konstruktivist Ernst von Glasersfeld wurde dieser Tage 90 Jahre altDer Name ist Programm. Die Kernaussage des radikale Konstruktivismus mag nämlich auch heute noch vielen radikal erscheinen: Wir Menschen entdecken die Welt nicht „objektiv“, sondern wir konstruieren sie uns gleichsam in unserem Gehirn, im Grunde ohne Bezug zur „wirklichen Welt“. Einer der wichtigsten Wegbereiter dieser Denkrichtung neben Humberto Maturana und Heinz von Förster ist der vor genau 90 Jahren geborene Ernst von Glasersfeld.Der Sohn eines vermögenden Kunstfotografen fand nach turbulenten Jugend- und Wanderjahren erst vergleichsweise spät zur Wissenschaft. Viersprachig aufgewachsen, studierte er kurz Mathematik in Zürich und Wien, begründete 1937 den Alpinismus in Australien und emigrierte dann nach Irland, wo er als Farmer lebte.Über die Lektüre von Finnegans Wake entwickelte der junge Glasersfeld Interesse am italienischen Philosophen Giovanni Battista Vico, übersiedelte nach Italien, wo er zunächst als Journalist arbeitete, ehe Ende der 1950er-Jahre Forscher am Centro di cibernetico an der Universität Mailand wurde.Von da wiederum gelang ihm 1966 der Sprung in die USA, wo er zunächst Computerlinguistik betrieb, ehe er einen kurzen Abstecher in die Primatenforschung machte.Über die Lektüre der Schriften Jean Piagets, der selbst einen psychologischen Konstruktivismus vertrat, gelang von Glaserfeld dann der große Durchbruch: eben sein radikaler Konstruktivismus, der einen „radikalen Umbau der Begriffe des Wissens, der Wahrheit, der Kommunikation und des Verstehens“ verlange und letztlich auch die Verantwortung für unser Tun und Denken verschiebe. Die wird nämlich, was der radikale Konstruktivist für besonders wichtig hält, „dorthin verlegt, wo sie hingehört: in das Individuum nämlich“. (Amü/DER STANDARD, Printausgabe, 14.3.2007) Weiterlesen

Entrepreneurship-Ansatz nach Prof. Dr. Jochen Röpke wird im Labor für Entrepreneurship vorgestellt

Am Donnerstag, dem 16. November war Dr. Cord Siemon im Labor für Entrepreneurship. Dr. Siemon ist Mitarbeiter im Marburger Förderzentrum für Existenzgründer aus der Universität (MAFEX) und promovierte bei Prof. Dr. Jochen Röpke , der leider kurzfristig sein Kommen absagen musste. Das Thema des Abends „’Ein Unternehmer baut seine eigene Welt‘ statt ‚Die Zähmung des Unternehmers zum Schumpeter’schen Wirt, zum Routineunternehmer'“ lehnt sich an das 2002 von Prof. Röpke erschienene Buch „Der lernende Unternehmer. Zur Evolution und Konstruktion unternehmerischer Kompetenz“ an.

     
  • 00:03 Begrüßung/ Vorstellen des Buches von Prof. Dr. Jochen Röpke: „Der lernende Unternehmer – zur Evolution und Konstruktion unternehmerischer Kompetenz.“
  • 01:00 „Wie ist es mit dem Unternehmertum“? (Zitat aus Röpke: Der lernende Unternehmer – zur Evolution und Konstruktion unternehmerischer Kompetenz.“, Books on Demand, 2002) – Erklärung des Ansatzes von Prof. Röpke
  • 07:00 Autopoetik
  • 08:50 Schumpeter und Röpke
  • 13:28 Evolutorische Rolle des Unternehmers
  • 19:00 Ansatz des Mafex
  • 22:00 Visionskompetenz
  • 24:38 Humboldt
  • 27:16 Persönlichkeitsentwicklung / John Miner Test
  • 29:07 Banken, Business Angels und Venture Capital
  • 34:09 Venture Capital
  • 36:38 Lao-Tse
  • 44:20 Persönlichkeitsentwicklung und Markt (Der schwache Yogi)
  • 49:09 Der geeignete Unternehmer
  • 52:25 Stabile Erfolgsfaktoren
  • 56:34 Schulabgänger und Befähigung zum Unternehmer

Unternehmertypen nach Jochen Röpke

Hier ist eine Übersicht über die von Prof. Röpke unterschiedenen Unternehmertypen:

Unternehmertyp

Funktion

Routine
„Homo oeconomicus“
  • Theorie: Neoklassik; Allokationseffizienz
  • Ressourcen-Allokation, Optimierer des Ressourcen-Einsatzes
  • Lehrbuchunternehmer der WiWi
  • Der unternehmerische Alltag ist Routine
  • Märkte sind im Gleichgewicht
  • Gewinnmaximierung
  • Paradigma: Neoklassik, theoretischer Mainstream, Allokationslogik
Arbitrage
„Der findige Unternehmer“
  • Theorie: Österreichische Schule; Koordinationseffizienz
  • Koordination in Märkten
  • Der Arbitrageur dominiert quantitativ das moderne Wirtschaftsleben
  • Entdecker von Bewertungsdiskrepanzen in Unternehmen und Märkten (auch kurzfristig: Spekulation)
  • Ausnutzen von Preisunterschieden und Bewertungsdiskrepanzen auf Märkten, Börsenplätzen,…
  • Gewisse Rücksichtslosigkeit, Abzockermoral, Freisein von ethischen und moralischen Skrupeln
  • Paradigma: „Österreichische Schule“ (Hayek, Mises, Kirzner), Tauschlogik
Innovation
„Der schöpferische Unternehmer“
  • Theorie: Schumpeter; Innovationseffizienz
  • Neukombination von Ressourcen
  • Rekombination von gegebenen
  • Neue Technik, Produkt, Märkte, Organisation, Beschaffungswege
  • Paradigma: Schumpeter, Neo-Schumpeterianer, Entwicklungslogik
Evolution
„Der evolutorische Unternehmer“
  • Theorie: Evolutorische Ökonomik; Evolutionseffizienz
  • Entfaltung von Handlungskompetenzen
  • Was auf dem Weg (der Innovation) zählt ist die Fähigkeit zum Wandel
  • Entwicklung in sich selbst, selbstevolutiv (durch Transformation und Transzendenz).
  • Evolutionieren kann nur jeder Unternehmer selbst. Er kann sich aber bei seiner Selbstevolution anregen, stören, irritieren lassen.
  • Paradigma: Daoismus (Laotse), Evolutionslogik

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