Erster Nachhaltigkeitsbericht von hessnatur – Interview mit Marc Sommer

Nicht nur aufgrund meiner Vergangenheit, sondern auch aufgrund der Unternehmenswerte, habe ich eine starke Verbundenheit zu hessnatur. Aufgrund des Wechsels des Eigentümers und der Geschäftsführung bei hessnatur wurde eine sehr aufgeregte Diskussion über die künftige Ausrichtung von hessnatur und einen möglichen Wertewandel geführt.
Ich hatte damals dafür plädiert, keine voreiligen Vorverurteilungen zu machen, weiter zu dem Unternehmen zu stehen und ihm eine faire Chance zu geben – und bislang sind (wie von mir vermutet) keinerlei Anzeichen für einen Wertewandel erkennbar – ganz im Gegenteil.

Marc Sommer

Marc Sommer

Rolf Heimann

Rolf Heimann

Nun ist der allererste Nachhaltigkeitsbericht von hessnatur erschienen und aufgrund dessen sowie des kommenden Vortrags von Marc Sommer bei den Burgthanner Dialogen am 18. Oktober 2013 ist folgendes interessante Interview mit den beiden Geschäftsführern Marc Sommer (Vorsitzender der Geschäftsführung) und Rolf Heimann (Leiter des Bereichs Corporate Responsibility) über Sinn und Wert von Nachhaltigkeitsberichten sowie den Unternehmenswerten und der Strategie bei HessNatur entstanden.
Das Interview führte Dr. Alexandra Hildebrandt:

Nachhaltigkeit sollte in allen Unternehmensbereichen verankert sein und durch den Einsatz von Methoden des Nachhaltigkeitsmanagements operativ umgesetzt werden.
Dazu müssen deren Wirkungen gemessen, interpretiert und bewertet werden, denn nur wer Verbesserungspotenziale systematisch erschließt und nutzt, kann Nachhaltigkeit glaubwürdig leben.
Ein Nachhaltigkeitsreport ist
zwar nur ein Kommunikationsinstrument unter vielen, doch kommt ihm eine zentrale Rolle in der unternehmerischen Rechenschaftslegung über Ziele, Aktivitäten und der Kommunikation mit Stakeholdern zu.
Der Schlüssel zum Bericht sind jedoch die Menschen mit ihren Geschichten, ihrem Engagement und der Leidenschaft für ein Thema, das sich auch in der Lektüre eines sachlichen Mediums – im wahrsten Sinne des Wortes – „entfalten“ kann, wenn die LeserInnen Nachhaltigkeit in all seiner Tiefe und Konkretheit durchdringen wollen.
Der 1. „Bericht zur Nachhaltigkeit“ von hessnatur ist ein Beispiel für das, was möglich und wünschenswert ist.

Weshalb erscheint der 1. hessnatur-Nachhaltigkeitsbericht erst jetzt?
Heimann: Das wurde ich in der Vergangenheit öfter gefragt. Meine Antwort lautete dann, dass wir alle Kapazitäten unserer Experten in unserem Bereich brauchen, um Entwicklungen nach dem Prinzip des ‚first mover’ voranzutreiben. Im Rahmen von Wachstum und Entwicklung werden die Unternehmensprozesse jedoch immer komplexer und die Notwendigkeit größer, sie klar und detailliert zu erfassen, analysieren und offen zu legen. Die Entscheidung, den Unternehmensbericht aufzusetzen und zum jetzigen Zeitpunkt vorzulegen, ist – so lässt sich rückblickend auf die vergangenen Monate feststellen – eine gute gewesen. Der Prozess der Evaluierung und Verifizierung war für uns wichtig, weil wir daraus etliche Erkenntnisse ziehen können – auch im Sinne einer strategischen Ausrichtung, auf der die zukünftigen Wege von hessnatur als ‚first mover’ eingezeichnet sind. Außerdem tut es gut zu dokumentieren, wie in allen Bereichen des Unternehmens im Sinne unseres ganzheitlichen Ansatzes gedacht und gehandelt wird.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden gesetzt, und wozu dient er primär?Heimann: Der Bericht zeigt, wer wir sind – und wie ernst wir es meinen. Mit der Veröffentlichung unseres Berichts soll die Vielfalt und Wirkungsweise unserer nachhaltigen Tätigkeitsfelder erstmalig allen Menschen sichtbar gemacht werden, die mit hessnatur in Verbindung stehen. Gleichzeitig ermöglicht uns diese umfassende Standortbestimmung das Erkennen möglicher Schwachstellen und die Identifikation von neuen Herausforderungen.

Sommer: Der Bericht führt die Tradition transparenter Kommunikation fort, die seit der Firmengründung durch Dorothea und Heinz Hess 1976 fester Bestandteil der Unternehmenskultur ist. Auch spiegelt sich hier unser Bekenntnis zu den Werten und Visionen von hessnatur in seiner neuen Eigentümerstruktur. Darüber hinaus bildet der Bericht für hessnatur eine wichtige Arbeitsgrundlage für weitere unternehmerische Zielsetzungen.

An wen richtet sich der Nachhaltigkeitsbericht?
Heimann: Er richtet sich sowohl an Mitarbeiter als auch an Kunden, Lieferanten, Journalisten und andere an hessnatur interessierte Menschen. Die an der Entstehung des Berichts Beteiligten haben den Fokus auf entsprechend vielfältige Themenbereiche gelegt und hoffen, dass jede Anspruchsgruppe für sich nutzbare Informationen über hessnatur als Arbeitgeber, als Unternehmen und als Geschäftspartner findet.

Der Nachhaltigkeitsbericht  von hessnatur und baut auf dem jährlichen Sozialbericht für die Fair Wear Foundation auf. Um welche Inhalte wurde der Bericht erweitert?
Heimann: Der hessnatur Bericht zur Nachhaltigkeit geht weit über die Inhalte des Sozialberichtes hinaus. Er gibt nicht nur Auskunft über die Verantwortung die hessnatur in der Lieferkette übernimmt für ökologische und soziale Themen. Auf den über 100 Seiten wird auch und erstmalig auf die Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und der Gesellschaft Bezug genommen. Außerdem umfasst der Bericht interne strategische Themen wie die Unternehmensvision, Werte, Philosophie, Führungskultur, Risikomanagement aber auch was wir unter nachhaltigem Design verstehen. Die Inhalte beleuchten hessnatur als Unternehmen im Ganzen und im Umfeld verschiedener Anspruchsgruppen (Stakeholder).

Im Fokus des Nachhaltigkeitsberichts  stehen der Status quo mit konkreten Kennzahlen sowie  die Erläuterung von Strategien, Lösungsansätzen und Entwicklungsperspektiven. Darüber hinaus werden konkrete Maßnahmen zur Steigerung der Nachhaltigkeitsleistung von hessnatur aufgezeigt.

Ganzheitliches und modernes Nachhaltigkeitsmanagement verlangt nach praxistauglichen und effizienten Werkzeugen. Stakeholder erwarten immer stärker nach verlässlichen und zeitgerechten Geschäfts- und Nachhaltigkeitsdaten. Auch kann nur, wer Verbesserungspotenziale systematisch erschließt und nutzt, Nachhaltigkeit leben. Wie wurde dieser Prozess bei hessnatur am Beispiel der Kennzahlenerhebung umgesetzt?
Heimann: Ja, die systematische Erhebung und Analyse von Daten und Prozessen hilft, auch intern einen klaren Blick dafür zu bekommen, wo hessnatur aktuell steht: In welchen Bereichen ist die Organisation bereits gut aufgestellt und wo gibt es noch Verbesserungspotenzial? Hieraus leitet sich der Anspruch ab, die Unternehmenswerte weiter zu festigen, die Arbeit kritisch zu hinterfragen und auch in Zukunft ambitionierte Ziele zu formulieren und diese umzusetzen. Um die notwendigen Daten für den Bericht zu erheben, wurden zu Beginn alle Bereiche der Organisation von der Projektleitung  – Bereich Corporate Responsibility – über den Zweck und das Ziel des hessnatur-Berichts informiert. Das Projektteam hat mit allen Bereichen und der Geschäftsführung Gespräche geführt, die zur Auswahl und zur Gewichtung der vorliegenden Themen und Schwerpunkte geführt haben. In jedem Bereich wurden die relevanten Informationen und Kennzahlen zusammengetragen, um den Bericht und seine Inhalte erstellen zu können. Die Managementansätze wurden auf Geschäftsführungsebene erarbeitet. Die redaktionelle Umsetzung aller Inhalte des Berichts, Texterstellung und Fachlektorate wurden vom Bereich PR & Social Media gesteuert, der die Unternehmenskommunikation von hessnatur verantwortet. Grafik und Layout wurden im Bereich Marketing und Markenführung vom Mediendesign-Team vorgenommen. Die finale Entscheidung über den endgültigen Inhalt des hessnatur-Berichts und dessen Freigabe erfolgte durch die Leitung des Bereiches Corporate Responsibility und die Geschäftsführung von hessnatur.

Welche Methodik stand dahinter?
Heimann: Die Erfassung von Daten und Informationen erfolgte per schriftlicher Abfrage auf elektronischem Weg und in persönlich geführten Rechercheinterviews. Die Daten, die in diesem Bericht Verwendung gefunden haben, wurden in den Bereichen Rechnungswesen, Controlling, Personal, PR & Social Media, Corporate Responsibility, Einkauf, Warenbewegung, EDV, Marketing & Vertrieb, Kundenservice, Betriebsrat und der Haustechnik erhoben. Weiterhin wurden Dokumente und Daten wie beispielsweise die Mitarbeiterbefragung, Kundenzufriedenheitsanalysen, Strategie-Konzepte der Geschäftsführung und Datenerfassungssysteme (Lieferantendaten, Artikeldaten, Materialdaten) für Analysen und Auswertungen genutzt. Zusätzlich wurden Informationen und Inhalte mit  Vertragspartnern erarbeitet.

Warum ist es wichtig, dass Unternehmen ihre Kennzahlen abbilden?
Heimann: Sie können zu aussagekräftigen Schlüsselinformationen verdichtet und miteinander verglichen werden. Kennzahlen ermöglichen, konkrete Nachhaltigkeitsziele festzulegen und quantifizierbar zu machen. Dazu müssen sie aussagekräftig sein und aus fundierten Daten entwickelt werden, die über einen längeren Zeitraum  verfolgt werden können. Außerdem muss die Messbarkeit der Daten gewährleistet sein. Erst dann ist eine kontinuierliche Beobachtung von Entwicklungstendenzen möglich.

Weshalb haben Sie sich bei der Berichterstattung an den GRI-Richtlinien orientiert?
Heimann: Die Global Reporting Initiative (GRI) ist die bekannteste und wichtigste Initiative zur Bildung von Nachhaltigkeitsindikatoren auf internationaler Ebene, die in Zusammenarbeit mit verschiedenen Unternehmen und Organisationen die sog. GRI-Kennzahlen entwickelte. Sie enthalten – neben den ökologischen und ökonomischen – auch gesellschaftliche Leistungsindikatoren.  Die Einhaltung des Standards ist zwar freiwillig, doch folgen immer mehr Unternehmen und Organisationen in aller Welt dem zwischen allen relevanten Anspruchsgruppen vereinbarten Regelwerk. Damit wird zudem den Lesern des Berichts der Vergleich der Berichtsangaben mit denen anderer Organisationen und Unternehmen erleichtert.

Was sind die größten Nachhaltigkeitsherausforderungen für hessnatur?
Sommer: Die große Herausforderung der letzten Jahre, mit nachhaltigen Materialien einen vergleichbaren Attraktivitätsgrad wie im herkömmlichen Modebereich zu erzielen, ist weitestgehend Vergangenheit. Heute bieten die ökologischen Stoffe und Farben einem Designer fast alle Möglichkeiten, sodass es eigentlich keine  Einschränkung mehr auf kreativer Seite gibt.  Funktionsbekleidung für extremere Situationen hingegen, die komplett wasserdicht sein muss, ist  heute mit ökofairer Mode noch nicht umsetzbar. Unsere aktuelle Forschungs- und Entwicklungsarbeit befasst sich jedoch bereits damit, ebenso wie mit den Themen Recycling und Product Footprint, der dem Verbraucher in naher Zukunft zu jedem hessntaur-Produkt Auskunft darüber geben soll, welche Ressourcen bei der Herstellung aufgewendet wurde. Diese Analyse bietet uns wiederum eine Chance zur Kosteneinsparung durch Ressourceneffizienz, wodurch ökologische und ökonomische Unternehmensziele in Einklang gebracht werden. Diese Versöhnung ökologischer, ökonomischer und sozialer Anforderungen entspricht unserer Definition von Nachhaltigkeit.

Während die Ökologie auf einem denkbar hohen Niveau angelangt ist, steckt das Thema sozialgerechte Herstellung noch in einer frühen Phase. Die Formulierung sogenannter  Kernarbeitsnormen ist dabei eine Sache, die wirksame und flächendeckende Kontrolle dieser Standards eine andere. Darin sehe ich für den Markt die größte Herausforderung der kommenden Jahre, ebenso wie im Aufbau der notwendigen Kompetenz  im Unternehmen und der festen Verankerung des Nachhaltigkeitsthemas im Managementsystem.

Weshalb ist Nachhaltigkeit nicht nur Sache einer einzelnen Abteilung, sondern vor allem eine Managementaufgabe, die zeigt, welchen Beitrag jeder einzelne Bereich der Organisation zu leisten hat, um die Nachhaltigkeitsstrategie bei sich umzusetzen?
Sommer: Ohne Überzeugung und entsprechende Entscheidungskompetenzen auf höchster Ebene bleibt das Thema eine Idee, die nie alle hierarchischen Ebenen des Unternehmens durchdringen und damit auch nicht das notwendige Umdenken bewirken kann.

Nachhaltigkeit beginnt als Chefsache, ist also eine Führungsaufgabe, die auf Augenhöhe in allen Bereichen wie Einkauf, Disposition, Qualitätssicherung und Kommunikation verankert und von allen Personen gelebt werden muss. Das dokumentiert auch detailliert unser „Bericht zur Nachhaltigkeit“. Damit trägt er vor allem auch innerhalb des Unternehmens zur Motivation und Identifikation der Mitarbeiter bei. Denn er signalisiert deutlich, dass Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung für hessnatur wesentliche Elemente der Unternehmenskultur sind.

Am 1. Juni meldete die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Capvis den Kauf von hessnatur. Wo und wie zeigt sich das nachhaltige Interesse der Private Equity-Gesellschaft konkret an dem ursprünglich anthroposophisch geprägten Vorreiter im Bereich Ökomode?
Sommer: Die besonderen Werte und die Historie von hessnatur waren der Erwerbsgrund der Beteiligungsgesellschaft Capvis, die als Gesellschafterin die langfristige Arbeit von hessnatur in der Überzeugung unterstützt, dass immer mehr Konsumenten bewusst und verantwortungsvoll konsumieren wollen. Mit großem Respekt vor der geschaffenen und gelebten Vision des Gründers Heinz Hess möchte Capvis gemeinsam mit den Führungskräften und Mitarbeitern das Unternehmen am Standort Butzbach in seiner spezifischen Identität mit seinen Werten bewahren und perspektivisch mit Augenmaß weiter entwickeln. Damit erhält hessnatur die notwendige Sicherheit, Stabilität und Kontinuität für die weiteren Entwicklungsschritte in seiner erfolgreichen Firmengeschichte.

Was war die größte unternehmerische Herausforderung, die  hessnatur jemals zu bewältigen hatte?
Sommer: Das war mit Sicherheit die Gründerzeit, als Dorothea und Heinz Hess aus dem Nichts heraus Öktotextilien auf den Markt brachten, mit  nachhaltigen Materialen und einer entsprechenden giftfreien Verarbeitung. In der Gegenwart ist die steigende Anforderung nach Transparenz – z.B. die Offenlegung unserer Lieferanten – eine stetige Herausforderung. Diesem Wandel unterliegt auch das Konsumentenverhalten. Es ist ein klarer Trend zu erkennen, dass immer mehr Menschen online bestellen und dass das Internet immer häufiger dazu genutzt wird, sich über Produkte und Prozesse zu informieren, bevor eine Kaufentscheidung getroffen wird. Die Entwicklung vom Katalog zum Web ist ein ernstzunehmendes Thema für uns, das uns vor große Herausforderungen stellt.

Wie erfahren und integrieren Sie die Erwartungen der kritischen Stakeholder? Weshalb ist ein offener Stakeholderdialog wichtig für hessnatur?
Sommer: Der kritische Dialog mit Anspruchsgruppen bewirkt, dass neue Ansätze für sozialere oder ökologischere Strukturen entwickelt werden können. Er ist für uns ein Ansporn, unsere Pionierrolle weiterzuentwickeln. Stellvertretend für viele andere sei hier auf unsere Zusammenarbeit mit der „Kampagne für saubere Kleidung“ (Clean Clothes Campaign) verwiesen, einem Aktionsbündnis aus vielen verschiedenen Nichtregierungsorganisationen (NGO), die sich für gute Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie weltweit einsetzt. Nach Heinz Hess 2001 das Unternehmen verkauft hatte, nahm die CCC hessnatur ins Visier. Das Ergebnis unseres intensiven Dialogs war ein eigens entwickeltes neues Prüfsystem für mittelständische Unternehmen und der Beitritt von hessnatur zur holländischen Fair Wear Foundation – als damals erstes deutsches Unternehmen überhaupt. Die Basis für ein quantifizierbares  Monitoringsystem zur Implementierung und Verbesserung von Sozialstandards war damit geschaffen.

Was gehört zu den Aufgaben des hessnatur-Beirats, und welche Personen sind Mitglied?
Sommer: Der Beirat begleitet das Unternehmen im Sinne eines aktiven Aufsichtsrates und ist Bindeglied zwischen Geschäftsführung und Gesellschafter. Die Beiratsmitglieder werden vom Gesellschafter in Abstimmung mit der Geschäftsführung ernannt. Dabei zielt die Besetzung darauf, die erforderlichen Kompetenzen komplementär zu gewährleisten. Neben der grundsätzlich erforderlichen wirtschaftlichen und unternehmerischen Erfahrung sind dies insbesondere ein tiefes Verständnis für verantwortungsbewusstes und nachhaltiges Handeln sowie eine Expertise im Textil- und Modeumfeld. Alle zwei Monate tagt der Beirat, um wirtschaftliche und inhaltliche Themen vor allem langfristiger und strategischer Natur zu besprechen.  Für das Geschäftsjahr 2012/2013 hat sich der Beirat von hessnatur neu konstituiert. Neuer Beiratsvorsitzender ist Prof. Götz W. Werner, Gründer und Gesellschafter der Handelsunternehmens dm Drogerie Markt, dessen Geschäftsführer er 35 Jahre lang gewesen ist. Sein Lebenswerk zeichnet sich insbesondere durch sein unternehmerisches Konzept sowie durch sein wissenschaftliches und soziales Engagement aus. Der hessnatur-Beirat setzt sich darüber hinaus aus dem Modeexperten Vivek Batra sowie Daniel Flaig und Ricarda Demarmels von Capvis zusammen. Somit besteht er aus zwei Gesellschaftervertretern und zwei externen Mitgliedern.

In welchen ausgewählten Verbänden und Initiativen ist hessnatur Mitglied?
Heimann: 2005 trat hessnatur als erstes deutsches Mitglied der Fair Wear Foundation (FWF) bei. Die Fair Wear Foundation hat es sich zum Ziel gesetzt, weltweit faire, gesetzliche und menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie zu fördern. Die Multistakeholder-Organisation setzt sich zusammen aus Gewerkschaft, Nichtregierungsorganisationen, Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und Herstellerverbänden, so kann eine breite Teilhabe aller Anspruchsgruppen am Verbesserungsprozess der Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsherstellung garantiert werden. Als Gründungsmitglied des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft e.V. (IVN) arbeitet hessnatur daran, die eigenen Ansprüche und Leitsätze für nachhaltige Textilproduktion national und international zu manifestieren. Ferner ist hessnatur Mitglied im Einzelhandelsverband. Durch diese Mitgliedschaft wird eine jährliche Erhöhung der Gehälter im Tarifbereich gewährleistet.

Welche Hauptkanäle werden von hessnatur für den Dialog mit Anspruchsgruppen des Unternehmens genutzt?
Heimann: Dazu gehören die Kundenbetreuung von hessnatur, die Läden und das Internet (Onlineshop, Blog, Facebook und Twitter). Auch Gremien wie der Kundenrat und Zusammenkünfte wie Round Table-Gespräche mit Kunden, Mitgliederversammlungen wie das Multistakeholder-Meeting mit der FWF einmal im Jahr, Beiratstreffen und Mitarbeiterversammlungen sind wichtige Kommunikationswege. Die Kommunikation mit Medien und Meinungsführern wird über die Mitarbeiter des Bereichs PR & Social Media sichergestellt. Durch die Kundenbetreuung und die zweimal im Jahr durchgeführte Kundenbefragung können Trends analysiert werden und auf Anmerkungen der Anspruchsgruppen gezielt reagiert werden. Ergebnisse und wichtige Erkenntnisse aus den Dialogen mit den Anspruchsgruppen werden für die Geschäftsleitung und -führung zeitnah aufbereitet, so dass sie ebenfalls Anteil an der Kommunikation nehmen und Feedback in die langfristige Ausrichtung von hessnatur mit einbeziehen können.

Besonderen Wert legen Sie auf die Meinung Ihrer Kunden. Um einen regen Informationsaustausch sicherzustellen, wurde im  Berichtsjahr 2011/12 ein hessnatur-Kundenrat ins Leben gerufen. Welche Motivation steckt dahinter?
Sommer: Damit will hessnatur seine Kunden stärker an der Weiterentwicklung des Unternehmens, an der Einhaltung und dem Ausbau der hessnatur-Standards sowie dem kontinuierlichen Streben nach Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie teilhaben lassen. Das Konzept sieht ein Kundenparlament mit 200 ehrenamtlichen Mitgliedern und ein daraus zu wählendes Sprechergremium von 12 Personen vor. Sie erhalten wichtige Informationen vorab zu und tauschen sich persönlich mit der Geschäftsführung und Mitarbeitern von hessnatur aus. Mitglieder des Kundenrats lernen Projekte und Produktionsstätten kennen und erfahren mehr über die besonderen ökologischen und sozialen Richtlinien bei hessnatur. Nebst Vertrauensbildung, der Steigerung zur Transparenz und Glaubwürdigkeit von hessnatur, wird der Kundenrat vor allem ein Sprachorgan zum Austausch und Dialog zwischen Kunden und Geschäftsleitung von hessnatur darstellen. Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge des Kundenrats sollen dann sorgfältig vom hessnatur-Management auf Umsetzbarkeit im Alltagsgeschäft geprüft werden und können zu strategischen und operativen Entscheidungen führen. Die Kundenräte werden somit Vertrauenspersonen, Inputgeber und Beobachter.

Das Verhalten der Kunden bei der Produktnutzung (und die damit verbundene Klimawirkung) ist nur begrenzt beeinflussbar. Inwiefern unterstützt hessnatur die Kunden durch Informationen für umweltschonendes verhalten und nachhaltigen Konsum?
Heimann: Zu jedem Produkt von hessnatur findet der Verbraucher im Katalog oder Internet genaue Informationen zur Herstellung, z.B. zu den eingesetzten Farbstoffen, Materialien und Ausrüstungsverfahren. Im Rahmen unseres Textillexikons und über unsere Beratungshotline kann der Konsument  sich darüber hinaus umfassend zur Textilpflege und unseren eigens entwickelten Wasch- und Pflegemitteln informieren. Zudem ist das Thema „nachhaltiger Konsum“ fest in unserer Unternehmenskommunikation verankert, was von dem Verbraucherportal wegreen aktuell erst wieder positiv bewertet wurde unter wegreen.de/profile/hess-natur/de/nachhaltigkeit.

Für hessnatur ist Nachhaltigkeit kein Lippenbekenntnis. Weshalb ist das Prinzip des nachhaltigen Wirtschaftens ein fester Bestandteil der hessnatur-Geschäftsstrategie?
Sommer: Es bedeutet für uns nicht nur ökologische und soziale Verantwortung zu übernehmen, sondern auch ökonomisch korrekt zu handeln. Nur wenn das Unternehmen langfristig erfolgreich wirtschaftet, kann es Sinn stiften  und von Nutzen für Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Gesellschaft und Eigentümer sein. Folglich müssen zu einem nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen alle Ebenen der Verantwortung gehören: ökologische, soziale und ökonomische. Dabei achtet hessnatur darauf, die ökonomische Verantwortung den Feldern Ökologie und Soziales gleichzustellen und sie nicht über diese zu stellen. Teil dieser ökonomischen Verantwortung ist unter anderem eine Intensivierung der Liquiditätssteuerung, um weiterhin hohen Innenfinanzierungsanteil sicherzustellen. Die Erreichung der Ziele ist Voraussetzung für eine sichere und langfristige Entwicklung der Gesellschaft. Unsere Nachhaltigkeitsstrategie zeichnet sich also durch einen ganzheitlichen Ansatz aus, um allen drei Säulen der Nachhaltigkeit gerecht zu werden als auch in jedem einzelnen Bereich verantwortlich und vorausschauend zu handeln.

Wie werden die Ziele der Unternehmensstrategie überprüft?
Sommer: Regelmäßige Status Quo-Analysen dienen als Basis für die Entscheidung, in welche Richtung sich das Unternehmen nachhaltig weiterentwickeln will. Die Stoßrichtung ist klar formuliert: Ausbau der strategischen Markenentwicklung, gemeinsam mit den Mitarbeitern und in enger Verzahnung und Kommunikation mit den Kunden des Unternehmens. Damit einhergehend die Zielgruppen- und Sortimentserweiterung und die Erhöhung der Markenbekanntheit. Die Distribution über neue Vertriebskanäle und eine stärkere Internationalisierung der Marke sind ebenfalls geplant und  zahlen auf die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung ein: dem steigenden internationalen Interesse an nachhaltiger Mode und die Entwicklung hin zu einem „sanften“ und bewussten Konsum.

Wie wird Nachhaltigkeit persönlich von Ihnen (vor)gelebt?
Sommer: Wer sich für Nachhaltigkeit einsetzt, möchte das natürlich auch an seine Kinder weitergeben. Meine Familie und ich sind selbst um einen nachhaltigen Lebensstil bemüht, in dem der bewusste Konsum, aber auch das Thema Ökotextilien eine wichtige Rolle spielen. Kinder lernen vor allem durch Nachahmung, deshalb ist die Vorbildfunktion der Eltern nicht zu unterschätzen. Aber auch als Geschäftsführer von hessnatur haben wir eine besondere Verantwortung, die beim Umgang mit den Mitarbeitern beginnt und bis zur Dienstwagenregelung reicht.

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Wirtschaftsethik als Basis für Entwicklung und Wachstum

Vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen (Finanzkrise, Managergehälter, Klimawandel, etc.) stellt sich die Frage, inwieweit man sich von den bisherigen gewachsenen Strukturen trennen sollte und Marktwirtschaft neu definiert. Letztendlich basiert all unser Handeln innerhalb der künstlich von Menschen gesetzten Rahmenbedingungen (westliche Definition von: Demokratie, Marktwirtschaft, Wirtschaftsbeziehungen etc.), also auf Basis von durch Menschen (willkürlich) festgelegten Definitionen und Konventionen.
Wenn man sich diese Regeln unseres wirtschaftlichen Handelns betrachtet, so fällt auf, dass diese meist auf rein rationalen Kriterien beruhen, denn mit der Ablösung der politischen Ökonomie durch die neoklassische Wirtschaftstheorie erfolgte der Schritt zu einer “reinen” Ökonomik, in der moralische Gesichtspunkte bewusst ausgeklammert werden.

Betrachtet man sich bspw. die Definition der Unternehmensergebnisse (GuV, EBITDA,…) ist erkennbar, dass es an Steuerungselementen für ethisch korrektes Verhalten und Wirtschaften fehlt. Nach meinem Verständnis sollte zwar schon jeder Mensch alleine durch sein Gewissen zu ethischem Verhalten und Wirtschaften angehalten sein, aber leider werden wir tagtäglich i.d.R. eines anderen belehrt (Mitarbeiterausbeutung, Kinderarbeit, Umweltverschmutzung,…). Ethisches Wirtschaften ist im Bewusstsein der Verantwortlichen nicht präsent (Denke: Hat man ja bisher auch nicht gemacht und jede Änderung bedeutet ja vielleicht Unbequemlichkeit und vermeintliches Risiko…)…

Wirtschaften heisst Werte schaffen – aber Werte sind auch Lebensqualität etc. und letztenendes dient die Wirtschaft den Menschen und nicht umgekehrt (Umweltverschmutzung und Ausbeutung von Natur und Menschen usw. stellen Vernichtungen von Werten dar).

Möglichkeiten für ein Anreizsystem für moralisches Verhalten von Unternehmen gäbe es zuhauf, indem bspw. Ausgaben für Mitarbeiterförderung, der Einsatz von Ökostrom, GreenIT, Hybrid-Fahrzeuge, usw. positiv sowie negative externe Effekte auf Menschen, Umwelt und Gesellschaft negativ das Unternehmensergebnis beeinflussen.

Durch Anreize in Richtung eines ethisch verantwortungsvollem Wirtschaften könnten Innovationen im Öko- und Sozialen Bereich bzw. ethisch korrekte Schöpferische Zerstörung in Gang gesetzt werden (unethisches Wirtschaften wird durch Neuerungen, die ethisches Wirtschaften ermöglichen und fördern, zerstört). Möglichkeiten für ein ethisches Anreizsystem gibt es zu Hauf (z.B. Abschreibung des Fuhrparks oder Ansetzbarkeit der Leasingraten von Dienstfahrzeugen nach CO2-Emissionen, usw.), um die Gewinnerzielung an ethisch verantwortungsvollem Verhalten zu koppelt, d.h. je mehr ein Unternehmen ethisch verantwortungsvoll handelt, desto besser das Unternehmensergebnis. Die bisherigen Anreizsysteme fördern und belohnen hingegen noch immer unethisches Verhalten und Wirtschaften (ich frage mich aber wirklich, warum sich Menschen nicht von Sich aus ethisch korrekt verhalten…).

Durch eine ethische Wirtschaftsordnung würden die Rahmenbedingungen gesetzt werden, um den notwendigen Evolutionsschritt in Richtung des 6. Kondratieff (Konjunkturzyklus) und somit in neue Wachstumsmärkte und zur Schaffung von (neuen) Arbeitsplätzen und Wirtschaftswachstum zu ermöglichen.

Kondratieff.jpg

Das alles wäre durch recht einfache Neudefinition bestehender Regelungen möglich und wir Menschen haben dies ja (im Prinzip ab sofort) in der Hand – genauso, wie wir unser bisheriges Verhalten definiert haben. Niemand anderes ausser uns hätte sofort die Möglichkeit es einfach anders zu machen… (wer oder was hindert uns daran?).

Der Zeitpunkt für einen Paradigmenwechsel, “Reset” und radikalem Umdenken hin zu einer moralisch korrekten Wirtschaftsordnung könnte nicht besser sein, da die Menschen sensibilisiert sind und jetzt viele wirtschaftliche Rahmenbedingungen überdacht werden (müssen). Leider sehe ich zur Zeit noch immer eine zu Starke Macht von Lobbyisten, Managern und Politikern (wer gibt diesen “Menschen” diese Macht?), die ohne Gewissen und Moral ihre bisherigen Geschäftsmodelle, Machenschaften und Politik durch egozentrisches und kurzfristiges denken verteidigen, anstatt in ethischem Verhalten neue Chancen für nachhaltiges (im wahrsten Sinne des Wortes) Wachstum zu sehen (wie alles eine Frage der “Brille” – ist man Optimist oder Pessimist). Auch in der Parteienlandschaft sehe ich aufgrund der Profillosigkeit keine Partei mit einem entsprechenden Konzept, die sowohl ethisch korrektes Verhalten mit Wirtschaft in Einklang bringt. Bleibt nur zu hoffen, dass die Chancen sehr bald erkannt und genutzt werden – für uns, die Welt; Natur und unserer Kinder.

LOHAS-Konferenz

links for 2007-09-21:

Marktforschung, Kundenorientierung und Klimaschutz

Die aktuelle VCD-Umweltliste 2007/2008 über die Umweltfreundlichkeit von PKWs liegt vor und wird noch immer von den japanischen Automobilherstellern dominiert.

Führender in der Gesamtwertung ist wie im Vorjahr der Honda Civic Hybrid mit 8,34 von zehn erreichbaren Umweltpunkten und nur hauchdünnem Vorsprung vor dem Toyota Prius an Platz zwei. Als einziger deutscher Pkw schafft es wieder nur der VW Polo BlueMotion mit Rang 7 unter die Top Ten.

Die Deutschen Autobauer weisen für dieses mieserable Abschneiden jedoch jegliche Schuld von sich und geben den Verbrauchern die Schuld.
So sagte bspw. ein BMW-Sprecher in n-tv, dass sie alles richtig gemacht haben. “Was bringt ein Auto, welches einen geringen Verbrauch hat, aber man dadurch bei anderen Dingen Kompromisse hinnehmen muß. Es ginge ja am Ende des Tages darum, zu verkaufen”. Geld verdienen jedoch die anderen auch noch besser, denn Toyota ist derzeit der profitabelste PKW-Hersteller.

BMW und die anderen haben sicherlich nach den noch immer “gängigen” (aber längst veralteten neoklassischen und technokratischen Managementmodellen) alles “richtig” gemacht. Sie haben in den Markt hineingehört, viel Geld für Marktforschung ausgegeben und daraus abgeleitet “Kundenorientierung” betrieben.

Von Unternehmen, die das “in den Markt hineinhören” nach diesem Schema betreiben und “dem Kunden nach dem Maul reden“, sich zum Sklaven der Konsumenten machen, sind jedoch keine Innovationen zu erwarten. Und das ist das Problem mit vielen deutschen Unternehmen. Es sind zu viele Manager (sprich “Verwalter”) am Ruder und keine Unternehmer, die aktiv den Markt gestalten und somit neue Märkte schaffen. Um hier passend Prof. Röpke zu zitieren: “Hätte Henry Ford Marktforschung betrieben, dann hätte er schnellere Postkutschen gebaut”.

Da sollen Kunden die Antwort auf etwas wissen, das es noch gar nicht gibt und das sie demnach auch nicht kennen können. Leute, die nicht wissen, was sie wollen, fragen Leute, die keine Ahnung haben, worum es geht…

Die Ergebnisse dieser durch Marktforschung betriebenen “Kundenorientierung” sind dann die Grundlage, an Produkten und Dienstleistungen herumzubasteln. Alle Verantwortlichen können dann natürlich nach Vorliegen dessen, was sie für “Resultate” halten, behaupten, der Kunde habe das so gewollt…

Alles was neu und anders ist, sieht hingegen in der Marktforschung immer erst einmal schlecht aus.

Neue Märkte entstehen obwohl (oder gerade weil) die potentiellen Kunden das Bedürfnis gar nicht empfanden (Autos, Eisenbahn, elektrische Lampen, kunstseidene Strümpfe, Computer, Handy, Internet usw.).

Unternehmen müssen die aktiv selber Märkte schaffen und nicht die Verantwortung dafür den Konsumenten überlassen, denn Kunden sind konservativ und müssen überzeugt werden. Sie kennen die Innovation nicht. Ein (innovativer) Unternehmer baut seine eigene Welt. Er passt sich nicht an eine gegebene Welt an. Er denkt und handelt nicht als passiver Anpasser, sondern als aktiver Gestalter.

Für eine evolutorische (dauerhafte) Sicherung der Existenz ist eine Konzentration auf die von Kunden artikulierten Anforderungen nicht ausreichend. Dem Routine-Markt (in der Abb. „Markt Heute“) kann daher nur durch Entwicklung bzw. Innovation begegnet werden, also indem von Kunden nicht erwartete (Zusatz-)Nutzen gestiftet und/oder (neue) Märkte geschaffen werden.

Auf diesem Wege sollten sich die Unternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewußt sein und schon alleine aus diesem Antrieb heraus das Thema Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten stellen und die Konsumenten von ihren so produzierten Produkten überzeugen.

LOHAS Konferenz am 17. September


 

Der LOHAS-Experte Christoph Harrach organisiert in der Brotfabrik in Frankfurt Deutschlands erste LOHAS Veranstaltung mit sehr interessanten Vorträgen und Referenten.

Es gibt eine Konferenzseite inkl. Anmeldeformular: http://www.karmakonsum.de/konferenz

Dr. Eike Wenzel vom
Zukunftsinstitut (Autor der einzigen deutschen LOHAS Studie) wird die
Moderation und Diskussionsrunde übernehmen.

Es gibt auch eine offizielle Pressemeldung, die jeder gerne verteilen und zum bloggen verwenden kann…

Mehr Infos auf: http://www.karmakonsum.de/konferenz

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LOHAS-Links

links for 2007-07-31

LOHAS-Otto, Unordnung, Reizüberflutung und Spreadshirt

links for 2007-07-28

Die “Wiedergeburt” des Daoismus durch LOHAS

Nachdem es in den letzten Jahrhunderten recht ruhig um den Daoismus (Fokus: Beziehung zwischen Mensch und Natur) geworden war und sowohl in China als auch in der westlichen Welt die Philosophie des Konfuzianismus (Fokus: (Regelung der) Beziehungen der Menschen untereinander) die wichtigste Rolle in Politik und Gesellschaft spielt, tritt insbesondere im Westen seit den 70er Jahren des 20. Jhd. – u.a. Dank Alan Watts – der Daoismus wieder stärker in den Mittelpunkt der Denk- und Lebensweisen der Menschen und bekommt nun, nachdem kurzzeitig schon fast wieder in Vergessenheit geraten, aktuell durch die “LOHAS” einen kräftigen neuen Auftrieb und Schwung – wenn auch nicht unter dem Titel “Daoismus”, aber letztendlich in einer sehr ähnlichen Form der Ausgestaltung des Lebens…Die Daoisten leben nach dem Prinzip des “wu wei“, d.h. dem “nicht eingreifen” also nach dem Bild des “Lauf des Wassers”, welches sich beim fliessen an die Umgebung anpasst – wie ein Strom den Konturen des Landes folgt.Der Daoist nimmt sich vor, seinen Geist und Körper mit der natürlichen Ordnung in Einklang zu bringen. Sie streben danach, auf Situationen in der angemessensten, aber am wenigsten angestrengten Weise zu reagieren, passen sich ihrer Umgebung an, um sich harmonisch im Strom der Ereignisse zu bewegen.Was hat der Daoismus nun mit Nachhaltigkeit und LOHAS zu tun?Die Lehre des “wu wei” besagt, keine Handlungen auszuführen, die nicht mit den Gesetzen der Natur in Einklang stehen. Also ganz im Gegensatz zu der vorherrschenden Denkweise, nach der derzeit die meisten Menschen (durch viele Religionen gestützt) leben und in der Natur einen “Feind” sehen und somit der Mensch die Aufgabe hat, die Natur in seine Bahnen zu lenken und in natürliche Prozesse einzugreifen – ganz nach dem Prinzip, dass man der Natur nicht trauen darf und daher Flüsse begradigt werden müssen, etc. Aus dem Flugzeug (oder umweltfreundlicher mit Google Earth) kann man ja bereits sehr gut erkennen, wie akribisch und in welchem Ausmaß die Menschen dieses Prinzip verfolgen…Daoisten hingegen meiden das Eingreifen in den Ablauf natürlicher Ereignisse und akzeptieren, dass dies sowohl bedeutet, mit den Unannehmlichkeiten der Natur zu leben wie auch sich ihrer Freigiebigkeit zu erfreuen.Es liegt hierbei die Vorstellung zu Grunde, dass das Dao die Fähigkeit besitzt, alle Unregelmäßigkeiten aufzulösen und ein harmonisches Gleichgewicht herzustellen.Wenn wir der natürlichen Ordnung im Wege stehen oder ihr ohne Sensibilität zuwiderhandeln, kann daraus nur Unheil folgen.Niemals hat diese einfache Botschaft so viel Resonanz gefunden wie zu Beginn des 21. Jahrhunderts, da wir nun die Folgen der groben Umweltsünden ernten, die wir mutwillig und voller Überheblichkeit an unserem Planeten begangen haben.Wir sehen, wie ein Bewässerungsprojekt, welches aus einem Fluss allzu viel Wasser ableitet, um Baumwolle anzubauen, das Kaspische Meer zu salzhaltig werden lässt. Wir sind Zeuge, wie unser Planet künstlich erwärmt, unser Klima zerstört und unsere Atmosphäre durch Toxine angegriffen wird.Gibt es einen besseren Beweis für die Weisheit des wu wei?Der Daoist glaubt, dass er in einer möglichst engen Übereinstimmung mit der Natur leben muss, um dem natürlichen Weg zu folgen. Weiterlesen

Reisen in die Zukunft kapitalistischer Systeme

Jochen Röpke, Ying Xia

 

Reisen in die Zukunft kapitalistischer Systeme

 

Grundzüge einer daoistischen Kinetik wirtschaftlicher Entwicklung

 


 

 

 

 

 

 

Band 10 / erscheint 2007

ISBN 978-3-8334-6680-9 / 332 Seiten / Preis: 39,90 € In ihrem Buch „Reisen in die Zukunft kapitalistischer Systeme“ versuchen die Autoren Jochen Röpke und Ying Xia die Gesetzmäßigkeiten der daoistischen Philosophie in den Entwicklungs- und Evolutionsprozeß wirtschaftlicher Systeme zu integrieren. Das vorliegende Buch gewinnt dadurch nicht nur theoretisch den Rang einer innovativen Zukunftsforschung. Die Autoren sagen uns vielmehr und eindeutig, wohin „die Reise“ der wirtschaftlichen Entwicklung ökonomischer Systeme hinführen kann und wird. Den beiden Autoren gelingt es, die Innovationslogik der Ökonomie (Joseph A. Schumpeter) mit dem dao zu verbinden und dabei Parallelen zwischen dem systemtheoretischen Ansatz autopoietischer, geschlossener Wirtschaftssysteme auf der einen und der daoistischen „Evolutionslogik“ auf der anderen Seite aufzuzeigen. Zahlreiche aktuelle Beispiele aus dem wirtschaftlichen Geschehen werden mit Grundlagen der daoistischen Philosophie erklärt. Das Ergebnis ist beeindruckend: Es ist nicht nur so, dass die chinesische Lebensphilosophie des Daoismus im Stande ist, Prozesse wirtschaftlicher Entwicklung zu erklären. Vielmehr lassen sich Handlungsvorschläge zur Lösung aktueller wirtschaftlicher Engpässe gewinnen, welche die Entwicklungskraft und Evolutionsfähigkeit der Wirtschaft erhalten. Dazu gehören auch (daoistische) Instrumente, die für die Steuerung wirtschaftlicher Systeme in Zukunft eine unabdingbare Rolle einnehmen werden.

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