Meine Probleme mit unserem Bildungssystem

Jeder Mensch ist anders, d.h. denkt anders, hat andere Talente und geht anders an Dinge heran.
Unser Schul- und Bildungssystem versucht noch immer diesen Individualismus zu beseitigen und fertige Lösungen und Lösungswege zu standardisieren und “einzutrichtern”.
Die Kinder werden in eine genau vorgeschriebene Richtung und nach bis ins Detail ausgearbeiteten Lehrplänen, die für alle gleich sind und wo die Lösungswege und Inhalte genau vorgeschrieben sind, zu Einheits-Menschen entwickelt, was dann im Einheits- (alle sind gleich) Abitur seinen Höhepunkt findet.
Alleine das Wort Lehrpläne hört sich schon fast an, wie Baupläne. So wie die “triviale Maschine” bei Heinz von Förster, wo alles genau vorgeschrieben zu funktionieren hat.
Bei einem Auto macht dies sicher Sinn, aber nicht bei einem Menschen und nicht für jemanden, der neue Autos (oder die Nachfolge-Transportmittel) erfinden soll.
Der muß anders und neu denken, neue Wege gehen und vorgegebene Pfade verlassen. Nur so gibt es wirtschaftliche Entwicklung. Die Herausbildung dieser Fähigkeiten muß im Mittelpunkt der Bildung stehen, wenn wir uns weiterentwickeln und nicht beim SatusQuo und in Routine enden wollen – was letztendlich in Armut endet.
Zur Herausbildung von Managern und Verwaltern mag das vielleicht ein gangbarer Weg sein, nicht aber zur Entfaltung unternehmerischer Fähigkeiten und Talente.
Wenn wir ein Land sind, welches durch Denken, Wissen und Innovation lebt, dann muss freies Denken, Kreativität und die eigenständige Erarbeitung von Wissen (mit eigenen Lösungswegen und wo es kein richtig oder falsch gibt) im Mittelpunkt stehen. Die angeborene Neugier und der Entdeckungsdrang muss gefördert, anstatt ausgetrocknet werden.
Wie soll wirtschaftliche Entwicklung und Innovation in einem Land erfolgen, wo die Menschen durch das vereinheitlichte und streng vorgeschriebene Schulsystem zu dem genauen Gegenteil erzogen werden? Einem System, wo freies Denken und Erarbeitung eigener Lösungswege verboten bzw. nicht gewollt ist bzw. nicht in die Lehr”pläne” passt? Innovation und letztendlich wirtschaftliche Entwicklung kann nur von den Menschen kommen, bei denen die Trivialisierung und die Beschneidung des freien Denkens gescheitert ist – also von Menschen, die es entgegen der derzeitigen Bildungspolitik geschafft haben, ihre Kreativität beizubehalten.

Und da jeder Mensch anders ist, muss auch die Herausbildung (und nicht Abtötung) der individuellen Stärken im Mittelpunkt stehen. Ich frage mich zudem warum bspw. durch die NC-Regelung nur Menschen zu einem bestimmten Studium zugelassen werden, bei denen die Trivialisierung am erfolgreichsten war (was anderes sagt die Abiturnote ja nicht aus) und nicht diejenigen, die das größte Talent in dem jeweiligen Bereich haben?

2 Gedanken zu “Meine Probleme mit unserem Bildungssystem

  1. Also ich fürchte, dass das Thema „Bildungssystem“ inzwischen viel zu komplex ist um hier ein wirklich sinnvolles System hinzukriegen. Daher beneide ich die Zuständigen nicht darum diese Aufgabe lösen zu müssen.
    Es beginnt schon damit, dass der Begriff „Bildung“ kaum zu definieren ist.
    Nun ist Wissen nicht gleich Bildung aber mit Sicherheit gibt es grundsätzliches Wissen, welches einfach unverzichtbar ist. Aber schon da beginnt es – was ist wirklich „unverzichtbar“. Muss ich wissen wann Goethe gestorben ist? (Noch grundlegender: muss ich Goethe überhaupt kennen?) Wenn es um „Bildung“ geht, müsste man wahrscheinlich beide Fragen bejahen – aber brauch ich dieses Wissen wirklich um später im Arbeitsleben bestehen zu können?

    Also geht es schon mal darum herauszufinden WAS man den Menschen beibringen soll – kaum befriedigend zu beantworten, vor allem in einer Zeit in der schneller Wandel herrscht.
    Die nächste Frage ist dann WEM man WAS lehren soll. Hier kommt man schnell auf das Problem der individuellen Eigenschaften. Ich meine damit nicht „zu doof“ sondern einfach die Tatsache, dass Individuen manche Dinge deutlich unterschiedlich aufnehmen können. Ich selber bin technisch begabt – aber mit dem Erwerb von Faktenwissen bin ich definitiv überfordert. Und daran ist nicht nur ein bestehendes Desinteresse schuld, sondern ich sehe einfach, dass ich hier gegenüber anderen Leuten einfach chancenlos bin mir derartiges anzueignen.
    Anderseits kann das Schulsystem wohl kaum darauf reagieren indem es mir alles was „auswendig zu lernen ist“ erspart. Also bleibt dem System eben nur, hier wirklich eine Grundbasis für ALLE zu finden und damit kommt es leider doch zu der im Blog beschriebenen Bildung von „Einheits-Menschen“.

    Die Förderung individueller Stärken ist natürlich wichtig und wünschenswert – aber möglicherweise wird damit das Bildungssystem grundsätzlich überfordert. Eigentlich müsste dazu jeder Schüler völlig individuell behandelt werden – wie soll dies wirklich schaffbar sein.

    Ich glaube, dass ein großer Teil des bestehenden Bildungsystemes daher gar nicht wirklich schlecht ist – was mir fehlt ist, dass neben der „Bildung“ auch das „denken lernen“ vermittelt werden sollte. Dies scheint mir immer noch zu kurz zu kommen.
    Wenn also im Text oben festgestellt wird >dann muss freies Denken, Kreativität und die eigenständige Erarbeitung von Wissen im Mittelpunkt stehen< dann kann ich dem nur völlig zustimmen, möchte aber darauf aufmerksam machen, dass dies wohl eine enorm schwierige Aufgabe ist.
    Wie bringe ich jemandem Kreativität bei? Ich meine – es gibt sehr viele kreative Menschen (ich halte mich definitiv nicht dafür) und es ist die Frage wie Kreativität überhaupt entsteht.
    Ist es wirklich etwas „lernbares“ – kann die Schule dies daher vermitteln, oder genauer gefragt: Wie weit kann die Schule Kreativität fördern? Und dann die nächste Frage: Reduziert das derzeitige Schulsystem eine bestehende Kreativität? Wahrscheinlich sind dies Fragen welche sehr kontrovers beantwortet werden.

    Wie oben gesagt – ich beneide jene nicht, welche ein sinnvolles Bildungssystem aufbauen sollen – die dahinter stehenden Probleme sind meiner Meinung nach fast unlösbar und werden immer zu einem System führen, welches nur Minimalanforderungen abdecken kann.

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