Segen oder Fluch: Produktentwicklung auf Basis von Google-Anfragen

Auf den ersten Blick scheint Google ja mit seinen Tools ein wahrer Segen für die Produktentwicklung zu sein. Google-Trends und Co. liefern einem Daten darüber, was die Kunden wie häufig suchen – also wo Bedarf besteht. Klasse.
Viele Unternehmen agieren auf diese Art, leitet daraus Business-Pläne ab und entwickeln auf dieser Basis Produkte, Leistungen, Online-Shops, etc., die dann sogar “Datengestützt” von VCs und Co. finanziert werden. Bei einem vermeintlich hohem Bedarf bzw. einer hohen Nachfrage kann man ja nicht viel falsch machen und es suggeriert Sicherheit.
Auf den zweiten Blick kommt einem dann aber wohlmöglich der Gedanke: Hmmm… Wenn ein Kunde nach etwas sucht – und wohlmöglich sogar sehr viele danach suchen (Google wirft ja sonst aufgrund des geringen Suchvolumens keine Treffer aus), dann ist dieses Thema beim Kunden (und sogar in einer größeren Masse) ja bereits vorhanden, d.h. ein Unternehmen hat bereits dafür gesorgt, dass ein Thema beim Kunden präsent ist. Nachfrage (insbesondere häufige) entsteht ja nicht dadurch, dass die Kunden auf einmal etwas wollen, was es noch nicht gibt, sondern etwas wollen, was sie irgendwo aufgeschnappt haben. Somit hat ja bereits ein Unternehmen den ersten Schritt gemacht. Märkte werden nicht von Gott geschaffen, sondern durch Unternehmer.
Nehmen wir mal ganz einfach das Beispiel des “iPad”: Bevor Apple nicht diesen Markt kreiert hat, gab es quasi bei Google und Co. keine Nachfrage nach Tablet-Computern und ähnlichem. Der artikulierte Bedarf war somit gar nicht vorhanden. Das Angebot sorgte für die Nachfrage – nicht umgekehrt. Eine Produktentwicklung auf Basis von Google Suchanfragen hätte (wenn überhaupt) bestenfalls zu schnelleren oder leichteren Laptops etc. geführt, aber nicht zu einer neuen Produktgattung mit allem drum und dran…
Nicht die Analyse von Suchanfragen (also Vergangenheitsdaten) oder Marktfoschung ist somit Basis für neue Produkte, Leistungen, etc., sondern der findige Unternehmer, der als Erster etwas Neues im Markt durchsetzt und die Nachfrage und somit das Bedürfnis erst kreiert.
Sollte also eine hohe Nachfrage nach bestimmten Produkten, Leistungen etc. bei Google und Co. vorhanden sein, dann könnte dies also eher ein Indikator dafür sein, die Finger davon zu lassen.
Steigt man hier ein, ist man meist gleich im Effizienz/Kosten und Preisthema drin, wo sich vielleicht Manager/Verwalter oder Arbitrageure wohlfühlen. Ein zukunftsorientiertes neues Geschäftsmodell lässt sich jedoch nicht daraus entwickeln.

Ein Gedanke zu “Segen oder Fluch: Produktentwicklung auf Basis von Google-Anfragen

  1. Ist das denn nicht grundsätzlich so, unabhängigkeit davon welches Medium zur Analyse genutzt wird.

    Eine Alternative wäre den möglichen Interessenten direkt auf den Bedarf eines Produktes anzusprechen. Gäbe es auch hier keine Tabletts, wäre der Kunde ebenfalls nicht in der Lage eine Aussage zu treffen.

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