Steuerung über „gesicherte“ (Finanz-)Kennzahlen

Viele Unternehmen werden noch immer in einem immer stärkeren Ausmaß über (Finanz-) Kennzahlen geführt, wodurch die Perspektive (u.a. aufgrund der Shareholder-Value-Maxime oder durch die Ausrichtung auf Banken- und Beraterforderungen) auf in Geldgrößen quantifizierbares verkürzt wird[1], obwohl hierdurch weder die Leistungsfähigkeit noch die Zukunftsaussichten eines Unternehmens widergespiegelt werden[2]. Die Unternehmen werden hierdurch stattdessen in ihrer langfristigen Lebensfähigkeit bedroht, da für die Lebensfähigkeit eines Unternehmens völlig irrelevante Zielsetzungen, wie Größe (wir wollen zur Weltspitze gehören), Geschwindigkeit (schneller sein als andere), Rationalisierung (Produktionssteigerung um jeden Preis), ungeprüft als Zielgrößen angepeilt werden[3]. Ebenso verhält es sich mit der Maxime der Gewinnmaximierung und mit der in ihr wohnenden Gefahr, die Rentabilität zum Mythos zu erheben[4]. Die Rentabilität ist jedoch nicht Zweck der Unternehmenstätigkeit, sondern schränkt das Unternehmen und seine Tätigkeit eher ein. Der Gewinn ist nicht die Erklärung, die Ursache oder der Beweggrund der Vorgehensweise von Unternehmen und deren wirtschaftlichen Entscheidungen, sondern dient lediglich dazu, die Richtigkeit dieser Entscheidungen einzuschätzen[5]. Finanzwirtschaftliche Kennzahlen mögen in verschiedenen Situationen durchaus ihren Nutzen haben. Sie sind aber untauglich für die Führung eines Unternehmens, also für jene Funktion, die das Wirtschaftsergebnis überhaupt erst produzieren muss, bevor es dann bewertet werden kann[6]. Alle finanzwirtschaftlichen Kennziffern sind für die Führung höchst problematisch, weil sie den wesentlichen Dingen des Managements zeitlich hinterherlaufen[7]. Die Finanzmärkte als Treiber dürfen die Grundfunktion des Unternehmens nicht gefährden, indem ihre Analysen kurzfristige Kennzahlen als Ausgangspunkt für die Bewertung von Unternehmen nehmen[8]. In erfolgreichen Unternehmen kommt customer value vor shareholder value[9] – der Customer Value schlägt langfristig den Shareholder Value[10].



[1] Vgl. Fredmund Malik, 2004, S. 27, Vgl. Frederic Vester, 2002, S.81

[2] Vgl. Frederic Vester, 2002, S. 95. Praktisch alle Unternehmen, die in den letzten zehn Jahren in Schwierigkeiten waren oder untergegangen Sind, wurden nach dem US-Muster des Shareholder-Value geführt. Alle gesunden Unternehmen wurden nach gegenteiligen Prinzipien geführt. Vgl. Fredmund Malik, 2004, S.28f

[3] Vgl. Frederic Vester, 2002, S. 49

[4] Vgl. Peter Drucker, 2004, S.35f.

[5] ebd. Es kann zudem die Frage gestellt werden, ob man überhaupt von  „Gewinn“ sprechen sollte, oder ob es vielmehr keine Gewinne, sondern nur Kosten gibt, also Kosten für das heutige Geschäft und die Kosten, die nötig sind, um im Geschäft zu bleiben. Vgl. Fredmind Malik, 2004, S.178f.

[6] Vgl. Fredmind Malik, 2004, S.84ff.

[7] ebd.

[8] Vgl.Christian Belz, Thomas Bieger, 2004, S.75

[9] Vgl. Jochen Röpke, 2002, S. 169

[10] Vgl.Christian Belz, Thomas Bieger, 2004, S.38ff.

Ein Gedanke zu “Steuerung über „gesicherte“ (Finanz-)Kennzahlen

  1. Ebenso verhält es sich mit der Maxime der Gewinnmaximierung und mit der in ihr wohnenden Gefahr, die Rentabilität zum Mythos zu erheben.

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