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Die Gegenwart bestimmt die Vergangenheit
Wir meinen, dass die Vergangenheit bestimmt, was wir heute sind und tun.
Es ist doch aber vielmehr so, dass die Gegenwart die Vergangenheit bestimmt und nicht die Vergangenheit die Gegenwart, genauso wie ein Schiff Wällen hinter sich lässt und nicht die Wellen das Schiff antreiben. Zurückgedacht zu dem Punkt an dem alles (das Universum) begann, gab es keine Vergangenheit, d.h. die Dinge, die zu diesem Zeitpunkt passierten bestimmten die Vergangenheit und so ist es auch heute noch.Man muss sich immer fragen, warum entscheide ich genau jetzt so und nicht, warum ich mich in der Vergangenheit so oder so entschieden habe. Sich an der Vergangenheit zu orientieren, was wir ja auch gerne im täglichen Management machen, indem wir uns die Vergangenheitszahlen anschauen, um daraus Prognosen für die Zukunft abzuleiten, ist genauso, als wenn wir ein Auto fahren und bei der Fahrt durchs hintere Fenster schauen. Die Zukunft wird immer anders sein als die Vergangenheit und jede Entscheidung, die heute getroffen wird, wird immer unter anderen Voraussetzungen getroffen, als in der Vergangenheit. Ob eine Entscheidung zudem letztendlich richtig oder falsch gewesen ist, kann man zudem nie im nachhinein beurteilen.
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Mythos der Kausalität
Unsere Kultur, unsere Ausbildung und unsere bewusste Aufmerksamkeit basiert auf linearem Scannen (den Chinesen ist diese Denkweise vollkommen fremd). Wir analysieren die Welt in Linien so, als wenn man einen Spot im Raum bewegt. Warum unsere Ausbildung so lange dauert und für viele Menschen so schwierig ist, liegt daran, dass wir kilometerweise gedruckte Linien scannen und wir dies als wichtige Information erachten.
Die Welt besteht jedoch nicht aus Linien, sondern ist ein multidimensionales Continuum, in dem alles gleichzeitig und überall passiert und es passiert so schnell, dass es nicht in Linien oder andere Informationen übersetzt werden kann, wie schnell wir es auch zu scannen vermögen.
Computer können zwar das lineare scannen deutlich verschnellern, aber es bleibt weiterhin lineares scannen.
Eine Katze wird gebohren mit Kopf und Körper. Wir zerteilen diese jedoch in unterschiedliche Stücke, um sie zu beschreiben und dann vergessen wir, dass wir dies getan haben. “Der Kopf der Katze” und “der Körper der Katze”, obwohl es eine ganze Kopf-Körper-Katze ist. Nachdem wir die Katze in Stücke zerlegt haben, versuchen wir zu beschreiben, wie diese Stücke wieder zusammenpassen. So machen wir es mit allem und dem gesamten Universum. Und so haben wir den Mythos der “Kausalität” erfunden, um zu beschreiben, wie die einzelnen Stücke, die wir zuvor zerlegt haben (und von dem wir vergessen haben, dass wir das taten), zusammengehören.
Wir zerlegen die Welt nur deshalb in kleinere Stücke, damit wir sie intellektuell verarbeiten können. Unsere Welt, die Natur und im Endeffekt alles ist jedoch nicht star und in Stücke zerlegbar, sondern durch und durch wendig und “durcheinander” (wir würden nach unserem westlich antrainierten Ordnungssinn sagen, unordentlich, was uns letztendlich dazu verleitet, in die Welt einzugreifen – aber hat jemand schon einmal eine unförmige Wolke gesehen?).
So lange wir jedoch an der Weisheit der Linearität festhalten, können wir nicht mit mehr als ein paar Variablen gleichzeitig umgehen (komplexe Systeme sind analytisch nicht erklärbar).
Wenn wir studieren, dann lernen wir, mit dieser Fülle von Variablen mit Hilfe statistischer Methoden umzugehen, genauso wie Versicherungsgesellschaften mathematische Tabellen benutzen, um vorherzusagen, wann die meisten Menschen sterben werden.
Das dabei herauskommende durchschnittliche Alter spiegelt jedoch nicht das einer einzelnen Person wider und die Bandbreite der individuellen Sterbealter liegt sehr weit auseinander. Mit solchen armseligen Methoden versuchen wir Gentechnik zu betreiben und unsere politischen und ökonomischen Probleme zu lösen. Unser Gehirn hingegen ist in der Lage, Millionen von Variablen zu verarbeiten, denen wir keine bewußte Aufmerksamkeit schenken. Unser Gehirn und unser Nervensystem steuert just in diesem Moment, wo wir mit lesen und denken beschäftigt sind, ganz nebenbei unseren Bluthaushalt, unsere Drüsen, das Verhalten von millionen Zellen usw. und all dies, ohne darüber nachdenken zu müssen und ohne Prozesse in bewußte Worte, Symbole oder Zahlen zu übersetzen. -
“Know-how” oder “no how”
Als wichtige Eigenschaft im Management und in vielen anderen Bereichen wird immer wieder die Wichtigkeit von “Know-How” herausgestellt. Ist es aber wirklich wichtig zu wissen, wie etwas bestimmtes funktioniert?Für Daoisten ist die höchste Art von Kenntnis nicht “know-how” sondern “no-how”.Etwas mit “no-how” zu bewerkstelligen bedeutet sozusagen, es ohne Methode zu können und ohne dieser Sache Aufmerksamkeit schenken zu müssen. Unser Körper beispielsweise funktioniert, ohne dass wir wissen müssen, wie er funktioniert und dass wir darüber nachdenken müssen (unser Herz schlägt, unser Haar wächst, usw.) – ganz automatisch, Tag für Tag.




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