Fortschrittliches Denken durch Yin & Yang-Polarität

Am Wochenende las ich wieder mal eines der Bücher meines Lieblingsautors Alan Watts und musste erneut feststellen, wie viel wir von der traditionellen jahrtausend alten taoistische Philosophie für ein besseres und nachhaltigeres Management und Denken lernen können, da unsere alltäglichen Verhaltensweisen doch auf grundsätzlich anderen Vorstellungen zu beruhen scheinen… Dies wurde zwar schon oft von mir in diesem Blog ausgeführt, aber es ist immer wieder erfrischend darüber zu schreiben…Das chinesische Denken und Fühlen wurzelt in dem Prinzip der Polarität (nicht zu verwechseln mit Gegensatz oder Konflikt!).Polarität ist das Prinzip, daß + und -, Nord und Süd, verschiedene Aspekte ein und desselben Systems sind und das Verschwinden das einen das Verschwinden des Systems bedeuten würde.Die westliche Denke und Technologie ist noch immer ganz darauf abgestellt, „die Welt zu verbessern“, Freude zu haben ohne Leid, Reichtum ohne Armut und Gesundheit ohne Krankheit. Doch wie immer deutlicher wird, haben unsere gewaltsamen Anstrengungen, dieses Ziel mit Mitteln wie DDT, Penizillin, Kernenergie, industrielle Landwirtschaft usw. zu erreichen und jeden gesetzlich zu zwingen, oberflächlich „brav und gesund“ zu sein, mehr Probleme geschaffen, als sie lösen.Wir haben ein komplexes System von Beziehungen gestört, das wir nicht verstehen, und je mehr wir zu seinen Details vordringen, desto mehr entzieht es sich uns, indem es immer mehr Details enthüllt (Wissen erhöht Unsicherheit).Während wir versuchen, die Welt zu begreifen und zu dirigieren, läuft sie uns davon.Taoisten betrachten die Welt als identisch mit oder untrennbar von ihrem Selbst, so dass Laotse sagen konnte: „Ohne aus dem Haus zu treten, erkenne ich die ganze Welt“.Das heißt, dass Technologie nur in Händen von Menschen destruktiv wird, die nicht erkennen, daß sie demselben Prozeß angehören, wie das Universum. Unsere Überbetonung der bewußten Aufmerksamkeit und des linearen Denkens hat uns dazu geführt, die Grundsätze und Rhytmen dieses Prozesses, dessen wichtigster die Polarität ist, zu vernachlässigen oder zu ignorieren.Im Chinesischen heißen die beiden Pole der kosmischen Energie Yang (positiv) und Yin (negativ).Die Lebenskunst wird also nicht darin gesehen, daß man das yang festhält und das yin ausschließt, sondern daß man beide ins Gleichgewicht bringt, weil das eine nicht ohne das andere existieren kann.Der Schlüssel zur Beziehung zwischen yang und yin wird hsiang sheng genannt, beiderseitiges Entstehen oder Unzertrennlichkeit.In den Worten Laotses:Wenn jeder die Schönheit als schön erkennt, gibt es bereits Häßlichkeit.Wenn jeder das Gute als gut erkennt, gibt es bereits Böses.Sein und Nichtsein erzeugen sich gegenseitig.Sie sind also wie die verschiedenen, aber nicht zu trennenden Seiten einer Münze, die Pole eines Magneten oder Puls und Intervall einer Schwingung.Letzten Endes ist es nie so, dass das eine über das andere den Sieg davonträgt, denn sie sind eher wie zwei Liebende, die sich belangen, als wie Feinde, die miteinander kämpfen.Das yin-yang-Prinzip besagt daher, daß das Etwas und das Nichts, das Vorhandene und das Nichtvorhandene, das Feste und der Raum sowie das Schlafen und das Wachen und das Abwechseln von Seiendem und Nichtseiendem sich gegenseitig bedingen.Das yin-yang-Prinzip ist daher kein Dualismus, sondern eine explizite Zweiheit, die eine implizite Einheit zum Ausdruck bringt.Die Weltanschauung von yin und yang ist zyklisch und heiter. Glück und Unglück, Leben und Tod, im kleinen und im großen, kommen und gehen ewig fort ohne Anfang oder Ende.Vorher und Nachher folgen sich gegenseitig. Es kann kein „Bevor“ geben, wenn es nicht ein „Nachher“ gib, und umgekehrt, und sechs Uhr bedeutet nichts ohne den ganzen Ablauf der Stunden von eins bis zwölf.Mit anderen Worten, keine Zahl hat irgendeine Bedeutung außer in Beziehung zu den vorangehenden oder folgenden Zahlen. Wenn wir also die Zahl 13 aus der Reihe der ganzen Zahlen auslassen, so würde 1000 lächerlicher- und unpraktischerweise 999 bedeuten, wel das der wirkliche Wert der Ziffer wäre. Das heißt einfach, daß man kein Ganzes auslassen kann, ohne das gesamte System umzustürzen.In anderen Worten, der ganze Kosmos drückt sich in jedem seiner Glieder aus, und jeder Punkt darin darf als sein Mittelpunkt betrachtet werden.

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