Jeden Tag werde ich unklüger…

Je mehr ich weiss, desto mehr merke ich, dass ich nichts weiss…Jeden Tag erlebe ich immer wieder, dass wenn ich mit einem Thema beschäftige (auch bei Themen, bei denen ich dachte über großes Wissen zu verfügen) desto mehr Facetten eröffnen sich zu diesem und es ergeben sich immer neue und weitere Aspekte.Je tiefer man in ein Thema eintaucht, desto stärker entgleitet es einem und um so größer wird folglich die Unsicherheit, da sich immer weitere, ganz neue und vorher nicht erkennbare Blickwinkel und Aspekte ergeben…Wissen erzeugt somit Unwissen. Je mehr wir wissen, desto mehr wissen wir nicht. Man bemerkt, was man alles noch nicht weiß, bekommt das starke Bedürfnis nach noch mehr Wissen, sammelt weitere Informationen, merkt noch mehr, dass man eigentlich fast überhaupt nichts weiß, usw… Dem Nichtwissenden stellt sich die Welt einfach dar.Nur der Vollidiot glaubt folglich, er wisse alles über ein Thema bzw. über alles bescheid und kennt sich zu jedem Thema aus…Hier noch ein paar interessante Weisheiten zu dieser Erkenntnis:

Wissen erhöht Unsicherheit.Handeln bei Unsicherheit erzeugt neues Nicht-Wissen.

“Nur der Wahnsinnige ist sich absolut sicher”(J. Röpke, 2002, S.33)

Weise Menschen sind keine Vielwisser.Vielwisser sind keine Weisen.(Lao-tse, Tao-te-ching, 81)

2 Gedanken zu “Jeden Tag werde ich unklüger…

  1. Interessanter Denkansatz, den ich allerdings nicht ganz teile. Eines ist auf alle Fälle klar: Man lernt nie aus. Bzw. man weiß nie alles. Nichtsdestotrotz bin ich der festen Überzeugung, dass je mehr Input ich erhalte desto facettenreicher wird am Ende der Output. Denn was wäre die Alternative? Nichts-Wissen-wollen?

    Wissen ist die Voraussetzung um kreativ und innovativ arbeiten zu können, weil es einfach die Zahl der möglichen Neukombinationen erhöht.

    Daher bin ich froh, dass mein Wissensdrang nie nachlässt ud ich bin dankbar für jede neue Wissenslücke, die sich auftut.

    Im Übrigen ist „Wissen“ sowieso relativ. Es gibt kein „echtes Wissen“ nur Interpretation von bereits vorhandenem. oder anders ausgedrückt, lernen hilft uns dabei Dinge zu sehen, die vorher nicht erkennbar, aber durchaus vorhanden waren.

  2. @Patrick:
    Der Wissensdrang ist ja gut und wichtig und lebenslanges Lernen sowieso. Keine Widerrede…
    Man sollte jedoch nicht glauben, dass man deshalb irgendein Thema vollständig erfassen könnte, da das „Vollständige“ ins unendliche geht. Manche Leute glauben, dass sie Experten auf einem Gebiet sind. Diesen Leuten sollte man nicht trauen, denn genauer betrachtet haben sie zwar selbstverständlich mehr Wissen auf diesem Gebiet als andere. Je mehr sie sich jedoch mit dem Gebiet beschäftigen, desto mehr Facetten tun sich automatisch zu diesem Thema auf, die demjenigen vorher nicht bekannt und vorhersehbar waren – also blinde Flecken darstellten. Und je mehr Facetten sich auftun, desto unsicherer wird man da das Thema immer komplexer wird und man merkt, was man alles noch nicht weiss – und das an immer mehr Stellen. Denn je mehr neue Punkte auftreten, desto mehr neue Dinge eröffnen sich einem bei jedem einzelnen dieser neuen Punkte usw…
    Dies ist auch mit „nur der wahnsinnige ist sich absolut sicher“ gemeint.
    Hier habe ich dieses Thema noch ausführlicher beschrieben:
    Wissen erhöht Unsicherheit
    ( http://blog.web-welten.de/?p=12 )

    und

    Die verzweifelte Suche nach dem Heil in einer „lückenlosen“ Datenerfassung
    ( http://blog.web-welten.de/?p=268 )

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