Die „Wiedergeburt“ des Daoismus durch LOHAS

Nachdem es in den letzten Jahrhunderten recht ruhig um den Daoismus (Fokus: Beziehung zwischen Mensch und Natur) geworden war und sowohl in China als auch in der westlichen Welt die Philosophie des Konfuzianismus (Fokus: (Regelung der) Beziehungen der Menschen untereinander) die wichtigste Rolle in Politik und Gesellschaft spielt, tritt insbesondere im Westen seit den 70er Jahren des 20. Jhd. – u.a. Dank Alan Watts – der Daoismus wieder stärker in den Mittelpunkt der Denk- und Lebensweisen der Menschen und bekommt nun, nachdem kurzzeitig schon fast wieder in Vergessenheit geraten, aktuell durch die „LOHAS“ einen kräftigen neuen Auftrieb und Schwung – wenn auch nicht unter dem Titel „Daoismus“, aber letztendlich in einer sehr ähnlichen Form der Ausgestaltung des Lebens…Die Daoisten leben nach dem Prinzip des „wu wei„, d.h. dem „nicht eingreifen“ also nach dem Bild des „Lauf des Wassers“, welches sich beim fliessen an die Umgebung anpasst – wie ein Strom den Konturen des Landes folgt.Der Daoist nimmt sich vor, seinen Geist und Körper mit der natürlichen Ordnung in Einklang zu bringen. Sie streben danach, auf Situationen in der angemessensten, aber am wenigsten angestrengten Weise zu reagieren, passen sich ihrer Umgebung an, um sich harmonisch im Strom der Ereignisse zu bewegen.Was hat der Daoismus nun mit Nachhaltigkeit und LOHAS zu tun?Die Lehre des „wu wei“ besagt, keine Handlungen auszuführen, die nicht mit den Gesetzen der Natur in Einklang stehen. Also ganz im Gegensatz zu der vorherrschenden Denkweise, nach der derzeit die meisten Menschen (durch viele Religionen gestützt) leben und in der Natur einen „Feind“ sehen und somit der Mensch die Aufgabe hat, die Natur in seine Bahnen zu lenken und in natürliche Prozesse einzugreifen – ganz nach dem Prinzip, dass man der Natur nicht trauen darf und daher Flüsse begradigt werden müssen, etc. Aus dem Flugzeug (oder umweltfreundlicher mit Google Earth) kann man ja bereits sehr gut erkennen, wie akribisch und in welchem Ausmaß die Menschen dieses Prinzip verfolgen…Daoisten hingegen meiden das Eingreifen in den Ablauf natürlicher Ereignisse und akzeptieren, dass dies sowohl bedeutet, mit den Unannehmlichkeiten der Natur zu leben wie auch sich ihrer Freigiebigkeit zu erfreuen.Es liegt hierbei die Vorstellung zu Grunde, dass das Dao die Fähigkeit besitzt, alle Unregelmäßigkeiten aufzulösen und ein harmonisches Gleichgewicht herzustellen.Wenn wir der natürlichen Ordnung im Wege stehen oder ihr ohne Sensibilität zuwiderhandeln, kann daraus nur Unheil folgen.Niemals hat diese einfache Botschaft so viel Resonanz gefunden wie zu Beginn des 21. Jahrhunderts, da wir nun die Folgen der groben Umweltsünden ernten, die wir mutwillig und voller Überheblichkeit an unserem Planeten begangen haben.Wir sehen, wie ein Bewässerungsprojekt, welches aus einem Fluss allzu viel Wasser ableitet, um Baumwolle anzubauen, das Kaspische Meer zu salzhaltig werden lässt. Wir sind Zeuge, wie unser Planet künstlich erwärmt, unser Klima zerstört und unsere Atmosphäre durch Toxine angegriffen wird.Gibt es einen besseren Beweis für die Weisheit des wu wei?Der Daoist glaubt, dass er in einer möglichst engen Übereinstimmung mit der Natur leben muss, um dem natürlichen Weg zu folgen.Wir müssen zu der Erkenntnis gelangen, dass alle Dinge Teil eines komplexen und vielschichtigen, ineinander greifenden Gefüges sind, das wir nicht verstehen können.Wenn wir nur ein Element aus diesem Gleichgewicht entfernen oder verändern, riskieren wir die Zerstörung aller anderen.Wenn wir uns in einem Leben verlieren, das nur von materiellen Gütern bestimmt wird, können wir kein wirkliches Verständnis vom Wert der Dinge haben. Ist Glück dasselbe wie einmal verschwenderisch sein oder zweimal, dreimal oder noch öfter?Muss der Konsum ständig steigen – ohne Rücksicht auf die Konsequenzen für uns und den Planeten?Wu wei – Nicht-Handeln – soll nicht bedeuten, sich aus der Verantwortung für das, was in der Welt geschieht, oder für unser eigenes menschliches Handeln zurückzuziehen.Wu wei bedeutet spontanes Handeln, das unwillkürlich, aber mit Sachkenntnis und Engagement ausgeführt wird und nur der Notwendigkeit des jeweiligen Augenblicks entspricht.So wie die Sonnenblume natürlich und kaum wahrnehmbar dem Lauf der Sonne folgt, so sollen wir unsere wahren Bedürfnisse kennen und angemessen handeln, nicht getrieben von Gier, Verlangen oder falschen Eitelkeiten.Wu wei ist nie berechnend oder ein Handeln des Profits wegen oder aus Gier. Es ist tatkräftig, wenn dies erforderlich ist, aber immer gelassen und geht niemals bis zu einem Punkt der Anspannung und Angestrengtheit.Die Daoistische Grundphilosophie des wu wei – also das Nicht-Eingreifen in den Lauf des Dao – bedeutet also:

  • spontan, geschickt und angemessen in Einklang mit dem natürlichen Verlauf der Ereignisse handeln
  • sich eher der Umwelt anpassen als sich ihr zu widersetzen oder sie künstlich zu verformen, um sie dem menschlichen Willen anzupassen
  • ohne Falschheit oder List oder irgendwelche Profitgier handeln und nicht aus Eitelkeit oder Ehrgeiz

Wir sollten uns klar machen, dass es eine moralische Dimension gibt, die das ganze Leben durchdringt.Die Entscheidung einen Baum zu fällen, hat Folgen für den Wald und schliesslich für den Planeten, die weit über die einfache Tat hinausreichen.Da die globale Erwärmung unser Wetter verändert und weltweit die Lebensqualität von Millionen Menschen bedroht, müssen wir uns wohl fragen, ob eine Philosophie, die sich auf die Harmonie mit der Natur beruft (und auf dem Prinzip des Nicht-Eingreifens basiert) der Menschheit nicht besser täte als die Konsumkultur, die uns in diesen bemitleidenswerten Zustand geführt hat.Die aktuelle Wiedergeburt daoistischer Denk- und Lebensweisen durch die LOHAS lässt für die Zukunft der Natur (und somit auch der Menschheit als Teil dieser) durchaus Hoffnung aufkommen.Ganz ausgezeichnet über alles, was die derzeitige LOHAS-Bewegung betrifft, berichtet der Blog www.excitinggreen.de.

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