Erkenntnisse zur Komplexität

Selbst wenn man den Zusammenhang verstanden hat, ist die Sache noch nicht zu Ende. Komplexität ist, wenn immer noch was nachkommt. Zwei kluge Leute haben das auf einen schönen Punkt gebracht: Der eine, Albert Einstein, war dafür, „die Dinge so einfach wie möglich zu machen, aber nicht einfacher“. Der österreichische Physiker und Kybernetiker Heinz von Foerster ergänzte sinngemäß: Jeder Versuch, die Komplexität zu reduzieren, erhöht die Komplexität an einem anderen Ort. Man müsse schon ziemlich doof und arrogant sein, um zu glauben, man könne die Dinge an sich in den Griff kriegen. Also die Komplexität beherrschen.

Gefunden in: brand-eins 01/06 S.47

Es gibt keine Patentlösungen, Weltformeln oder einzige Wahrheiten. Die Naturgesetze sind keine Entwede-oder-Formeln, sondern bestehen aus Sowohl-als-auch. Die Evolution baut auf Vielfalt und Verschiedenartigkeit, nicht auf eine einzige Lösung. Im Industriezeitalter wurde das anders. Es ging um Zähmung (Trivialisierung) der Vielfalt, um ihre Wandlung in nacheinander stattfindende Prozesse und um Linearität (triviale Maschinen im Sinne Heinz von Foersters). Ein Ding greift ins nächste, aber wehe, dieses nächste ist nicht kompatibel zu den Standards und Normen. Dann wird alles schnell kompliziert. Wirtschaft lebt von Mehrdeutigkeit – von mehr als einem Problem und mehr als einer Lösung.

Unser (westliches) Gehirn bevorzugt (anerzogenes) lineares, analoges Denken, also das Vorgehen Schritt für Schritt. Wir nehmen Ausschnitte der Welt wahr, nicht die Welt an sich. Wir sehen Bäume, nicht den Wald.

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