Wir zerlegen die Welt – Aber sie ist aus einem Stück!

Viele Probleme würden nicht auftauchen, wenn wir uns dessen bewusst wären, dass es die Art und Weise ist, wie wir die Welt sehen, nämlich dass wir sie in voneinander getrennte Stücke, Dinge, Ereignisse, Ursachen und Wirkungen zerlegen. Wir erkennen nicht mehr, dass die Welt aus einem Stück ist, wie die Katze mit Kopf und Schwanz.

 

Statt die Aufmerksamkeit auf etwas lenken, d.h. etwas auswählen, empfinden wir einige Merkmale der Welt als beachtenswerter, bedeutender als andere. Auf diese achten wir, den Rest ignorieren wir – deswegen ist die bewusste Aufmerksamkeit gleichzeitig Ignoranz, und zwar trotz der Tatsache, dass sie uns ein lebhaftes und klares Bild von allem vermittelt, was wir beachten wollen.

Rein physisch sehen, hören, riechen, schmecken und berühren wir unzählige Dinge, die wir nie beachten.

Angenommen, man fährt 50 Kilometer mit dem Auto und unterhält sich dabei die ganze Zeit mit einem Freund. Worauf man achtet und woran man sich später erinnert, ist die Konversation, aber irgendwie hat man auf die Straße, auf die anderen Autos, auf die Ampeln und der Himmel weiß was noch reagiert, ohne dass man sie wirklich beachtete oder sich darauf konzentrierte.

Wir haben uns als Menschen auf eine bestimmte Art von Aufmerksamkeit spezialisiert, die es uns ermöglicht, die Details sehr genau zu untersuchen. Der Preis für diese Spezialisierung ist das Ignorieren bzw. Ausblenden all dessen, was außerhalb von ihr liegt. Wenn man sich auf eine Figur konzentriert, verliert man den Hintergrund aus dem Blick und sieht die Welt deshalb nicht mehr als Ganzes. Man nimmt separate Dinge und Ereignisse ernst, weil man glaubt, diese würden tatsächlich existieren, obgleich sie nur als das existieren, was wir aus ihnen machen.

Alles existiert jedoch mit allem anderen zusammen, doch wir bemerken dies nicht, weil wir nur das bemerken, was wir für „bemerkenswert“ halten, und weil wir die Dinge als Bezeichnungen, Zahlen, Wörter und Bilder registrieren. Genau dieser Mechanismus ist auch im Spiel, wenn wir nicht merken, dass Schwarz und Weiss zusammen existieren und dass es zu jedem Innen auch ein Außen gibt. Man kann das Verhalten eines Systems nur genau und zutreffend beschreiben, indem man das Verhalten der Umgebung in diese Beschreibung einbezieht. Bei Problemen, die ständig ungelöst bleiben, sollte man immer den Verdacht haben, dass die Frage falsch gestellt worden ist.

Man teilt einen Prozess willkürlich in zwei Teile, vergesse, dass man es getan hat, und rätsele dann jahrhundertelang, wie man die beiden Teile zusammenfügen kann. Die bisherige Managementtheorie misst den Zielen des unternehmerischen Handelns eine große Bedeutung bei, während die Regeln, die dieses Handeln bestimmen, weitgehend unbeachtet bleiben. Es regiert die Vorstellung, dass sich bei ausreichend großer Anstrengung und reibungsloser Unterstützung moderner Technologien alles im Detail so regeln lässt, dass die Zielvorgaben hundertprozentig erreicht werden.

Da dies aber nie der Fall sein kann, führt die mehr oder weniger starke Verfehlung der Zielvorgabe zu der Reaktion, die deterministische Kontrolle noch zu verstärken.

Dem Versagen der Reglementierung wird mit noch mehr Reglementierung begegnet, einem Davonlaufen der Kosten mit noch mehr Budgetierung und Kostenkontrolle, auf Planungsfehler mit noch mehr deterministischer Planung und Datensammlung usw. Der nötige qualitative Sprung bleibt aus und stattdessen wird nur auf Quantität gesetzt. Die wachsenden Datenmengen führen folglich ähnlich so, wie wachsender Verkehr letztendlich zum Chaos und damit zur Ineffizienz.

Wenn wir eine Entscheidung zu treffen haben, tragen wir gewöhnlich so viel Informationen wie möglich zusammen. Aber oft ist es so ambivalent, dass uns nichts anderes übrig bleibt, als eine Münze zu werfen.

Zusätzliche Informationen bedeuten keineswegs zusätzliche Vorteile. Um das Grundmuster eines komplizierten Zusammenhangs zu erkennen, reichen ein paar Eckdaten völlig aus.

Je mehr Detailinformationen ein Entscheider bekommt, desto schwerer wird es für ihn, ein Grundmuster zu erkennen.

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