Unsere klassische lineare Denkweise – Die “triviale Maschine”

Im Grunde lassen sich zwei Arten von Management-Theorien unterscheiden: Technokratisch und Evolutionär. Das Basisparadigma des vorherrschenden technokratischen Managements ist die (triviale) Maschine im Sinne der klassischen Mechanik. Kennzeichnend dafür ist das immer exaktere Messen von Sachverhalten und sammeln von immer mehr Informationen über Einzelheiten, um eine Sache gedanklich “vollständig” in den Griff zu bekommen, d.h. sie faktisch beherrschen zu können.

Diese analytische Denkweise zerlegt Management in eine Reihe von einzelnen Tätigkeiten, die dann isolierend weiter analysiert werden. Von dieser Denkweise her werden Lenkungssysteme so entwickelt, wie der Techniker Konstruktionszeichnungen für eine neue Maschine entwirft. Es gibt Prozesse, die einfach fix und fertig sind und immer wieder dasselbe tun. Ein solches System ist trivial, da es analytisch determinierbar ist. Eine solche “triviale Maschine” bzw. ein triviales System ist durch eine eindeutige Beziehung zwischen ihrem “Input” (Stimulus, Ursache) und ihrem “Output” (Reaktion, Wirkung) charakterisiert. Die Grundvorstellung ist somit, dass sie nach einer vorgefassten Zwecksetzung und einem Plan konstruiert ist und abhängig ist von den Funktionen und Eigenschaften ihrer Einzelteile. Ist ein System zu komplex, zerlegen wir es in kleinere Stücke. Sind diese immer noch zu komplex, werden auch diese zerkleinert, bis die Stücke schließlich so klein sind, dass zumindest eines davon verständlich ist. Das Wunderbare an diesem Prozess ist, dass er unweigerlich zum Erfolg führt.

Obwohl die Wirtschaft keine “triviale Maschine” ist, gehen wir meist dennoch unbewusst von einem derartigen Ansatz aus. Wir versuchen durch die Denkweise des Rationalismus auch nicht-triviale Systeme durch Logik und exakte Analyse für lösbar zu halten.

Das Universum ist jedoch als ganzes eine Symbiose von Strukturen, die ohne einander nicht existieren können. Erst wenn wir es Teilchen für Teilchen betrachten, finden wir Konflikte. Bei wirtschaftlichen Zusammenhängen handelt es sich um komplexe Systeme. Diese sind jedoch keine Summe von Teilen, die zusammengeschraubt, -genagelt oder geklebt sind (ein Baum ist nicht aus Holz gemacht, er ist Holz).

Wenn wir aber komplexe Systeme analysieren und in Teile zerlegen, gebrauchen wir dennoch einfach ein mechanisches Bild. Unsere Erkenntnis bleibt dabei immer selektiv, aber weder im Teil noch im Ganzen erfassen wir alles. Wir können nicht einmal wissen, was “alles” eigentlich ist. Können wir z.B. an das Herz getrennt von den Adern denken oder an Äste getrennt vom Baum? Wo sind die genauen Trennungslinien?

Diese Unterscheidungen sind immer willkürlich, auch wenn sie sprachlich sehr genau beschrieben werden können. Eine Reduktion ist bei komplexen Systemen nicht möglich. Schon nach wenigen Schritten hat man es nicht mehr mit dem System zu tun, mit dem man sich ursprünglich beschäftigen wollte.

Die zunehmende Interdependenz aller Geschehnisse ist ein wesentliches Kennzeichen unserer Zeit; nichts geschieht, was nicht unerwartete Veränderungen anderswo zur Folge hat. Ursache und Wirkung sind nicht feststellbar, denn sie folgen nicht einander, sondern geschehen gleichzeitig. Der Begriff der Ursächlichkeit ist nur eine unzulängliche Art, die verschiedenen, zum Zweck der Beschreibung getrennten Stadien eines Ereignisses zu verbinden, so dass wir (von unseren eigenen Worten getäuscht) diese Stadien jetzt als verschiedene Ereignisse betrachten, die man mit dem Leim der Ursächlichkeit wieder zusammenfügen muss.

Wir glauben, dass jedes Ding und jedes Ereignis eine Ursache haben muss, d.h., es müssen ein oder mehrere andere Dinge bzw. Ereignisse vorhergegangen sein, und diese ihrerseits wären wieder die Folge von anderen Ursachen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

*
To prove you're a person (not a spam script), type the security word shown in the picture. Click on the picture to hear an audio file of the word.
Click to hear an audio file of the anti-spam word