Die Welt ist eine „nicht-triviale Maschine“

Mit Hilfe der wissenschaftlichen Vorhersage und ihrer technischen Anwendungsmöglichkeiten versuchen wir noch immer über unsere Umgebung und uns selber größtmögliche Kontrolle zu gewinnen. In der Medizin, im Nachrichtenwesen, in der industriellen Produktion, im Transportwesen, im Finanzwesen, im Handel, zu Hause, in der Erziehung, in der Psychiatrie, in der Kriminologie und im Rechtswesen – überall versuchen wir narrensichere Systeme zu entwickeln und die Möglichkeit von Fehlern auszuschalten. Nach dem gewöhnlichen Bild der Wissenschaft ist im Prinzip alles voraussagbar und kontrollierbar; und wenn irgendein Ereignis oder Prozess im Rahmen unseres gegenwärtigen Wissens nicht voraussagbar und kontrollierbar ist, dann wird uns ein wenig mehr Wissen und vor allem ein wenig mehr Know-how befähigen, die freien Variablen vorauszusagen und zu kontrollieren. Es konnte jedoch bewiesen werden, dass diese Sicht falsch ist und Ereignisse von komplexen Systemen desto weniger voraussagbar sind, je mehr die Meßmethoden präzisiert werden. Trotzdem tun wir oft so, als ob es in Wirklichkeit um einfache Systeme ginge, die wir mit mehr Analyse und mehr Daten mit der Zeit schon in den Griff bekommen würden. Dass man damit einem Irrtum unterliegt, erleben wir bspw. bei den Wettervorhersagen.

Wirtschaft, Menschen, Organismen, Gesellschaft, Umwelt, Natur, usw. sind nicht-triviale-Systeme

Natürliche und wirtschaftlichen Phänomene und Zusammenhängen sind mit einer “nicht-trivialen Maschine” vergleichbar. Nicht-triviale Systeme sind jedoch unvoraussagbar und analytisch nicht erklärbar. Ein einmal nach einem bestimmten Input beobachteter Output wird zu späterer Zeit (auch wenn der Input gleich ist) ein anderer sein. Diese scheinbare “Irrationalität” beruht nur auf unseren Erwartungen. Grundsätzlich sind komplexe Situationen weder gedanklich noch faktisch jemals vollständig beherrschbar. Wir werden niemals in der Lage sein zu sagen: “Das nächste Mal, wenn ich auf dieses Phänomen treffe, wird es mir gelingen, ihren Gesamtverlauf vorauszusagen. Wir wollen immer gerne von dem, was wir sehen, auf das schließen, was das Geschehene erzeugt. Diesen Erklärungsdrang sollten wir aufgeben. Wir können das nie wissen. Das “warum?” kann nie beantwortet werden.

Antworten auf Fragen zu nicht-trivialen-Systemen sind davon anhängig, welche Antworten der Frager haben möchte bzw. akzeptiert.

Fragen und Antworten sind folglich lediglich in gewissen “Formen” zugegen: in solchen, die den Frager oder den Antworter befriedigen, und in solchen, die den Frager und den Antworter nicht befriedigen.

Ein Gedanke zu “Die Welt ist eine „nicht-triviale Maschine“

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